Vergleichender Testbericht der DUO Spearhead Ryuki Serie

Der Name Ryuki hat in den letzten Jahren richtig Furore gemacht unter Schweizer Forellenfischern, insbesondere bei den Fliessgewässerfischern. Bekannt wurde vor allem die sinkende Version, die DUO in Japan schon vor 5 Jahren erstmals vorstellte und die dank einem unaufhaltsamen Siegeszug mittlerweile in 4 Grössen und fast allen erdenklichen Farben erhältlich ist. Vor einem Jahr wurde dann plötzlich der neue Bruder des sinkenden Ryuki vorgestellt; ein schwimmendes Modell mit längerer Tauchschaufel namens Spearhead Ryuki MDF (Middle-Deep-Floating), bislang erhältlich in zwei Grössen.

 

Doch wann sollte ich welches Modell und in welcher Grösse verwenden? Was sind die Stärken und Schwächen der beiden Varianten im Direktvergleich? Die letzten zwei Jahre habe ich wohl keinen anderen Wobbler so viel gefischt und so intensiv getestet wie die Spearhead Ryuki Serie, so dass es höchste Zeit wurde für einen detaillierten Testbericht. Ich habe den Bericht als Direktvergleich aufgebaut, so dass ihr immer zwischen den beiden Varianten vergleichen könnt...

Die Ryuki Serie hat mit vielen schönen Fängen für Aufsehen und viele Fragen gesorgt. Höchste Zeit, diesen Köder mal ausgiebig zu testen und seine Verwendung aufzuzeigen...
Die Ryuki Serie hat mit vielen schönen Fängen für Aufsehen und viele Fragen gesorgt. Höchste Zeit, diesen Köder mal ausgiebig zu testen und seine Verwendung aufzuzeigen...

DUO Spearhead Ryuki S (Sinking Model)

Offizielle Daten

Grössen in mm:         45, 50, 60, 70, 80

Ködergewichte in g:   4, 4.5, 6.5, 9, 12

Schwimmverhalten:   Schnell sinkend

Hakengrössen #:       12, 12, 10, 10, 8
Ungefährer Preis:      Franken 16.-

 

Korrektheit der Angaben: Ich habe keine Abweichung der offiziellen Angaben feststellen können.

Form

Charakteristisch für die Spearhead Ryuki Serie ist der spitze, dünne Kopf, deshalb auch der Name (Spearhead = Speer-Kopf). Im Gegensatz zum MDF ist das S Modell sehr schlank, schwer und kompakt mit einer ebenfalls sehr kleinen, steilen Schaufel. Diese Bauweise führt schliesslich zu seiner extremen Beständigkeit in starker Strömung.

Schwimm- & Laufverhalten

Schnell sinkend trifft bei diesem Modell absolut zu, die sinking Modelle sind im Verhältnis zu Grösse recht schwer und kompakt gebaut. Dieses Eigengewicht ist aber nötig, um die enorme Stabilität in den härtesten Strömungen zu gewährleisten!

 

Diese Modelle sind nämlich ganz bewusst für die Strömung entwickelt worden. Es gibt fast keine Strömung, die zu stark wäre für den Ryuki S. Ich habe ihn unter den extremsten Bedingungen getestet und er bleibt wirklich selbst in den schnellfliessendsten Stellen stabil ohne zu kippen!

 

Dafür zeigt er aber auch erst unter Strömungseinfluss überhaupt sein Spiel. In ruhigem Wasser sind die Laufeigenschaften nahezu null. Die Aktion in der Strömung würde ich als enge, rollende Aktion beschreiben. Am besten performt der Ryuki S, wenn er nicht nur monoton eingekurbelt wird, sondern durch ständiges, kurzes Twitchen aus dem Handgelenk zusätzlich animiert wird. Er verführt dabei eine Art „zappelnde“ Bewegung, die jede Forelle aus der Reserve lockt.

Wurfeigenschaften

Durch seine kompakte, schwere Bauweise ist der Ryuki S eine absolute Wurfgranate. Auch fliegt er schön stabil und präzise. Somit kann man sowohl im kleinen Bergbach genau die anvisierte Stelle treffen, wie am grossen Fluss grosse Wurfweiten bis ans andere Ufer schaffen.

Die Wurfeigenschaften des Ryuki S sind für mich einer der grössten Pluspunkte.

Auf dem Bild ist die massive Beschwerung der sinkenden Ryukis zu sehen, diese sorgt für enorme Wurfweiten verglichen mit der Ködergrösse, und für Stabilität in der Strömung.
Auf dem Bild ist die massive Beschwerung der sinkenden Ryukis zu sehen, diese sorgt für enorme Wurfweiten verglichen mit der Ködergrösse, und für Stabilität in der Strömung.

Farbe & Lackierung

Wie es für DUO Wobbler typisch ist, werden auch die Ryuki Modelle Stück für Stück von Hand mittels Airbrush Technik gefärbt, woraus eine sehr schöne Farbgebung resultiert und kein Exemplar ganz genau gleich wie das andere aussieht. Auch die sehr grosse Farbauswahl überzeugt.

 

Langlebigkeit

Die Langlebigkeit bei normalem Gebrauch ist sehr hoch, aber die Robustheit unter gröberen Gewalteinwirkungen ist der grösste Schwachpunkt der Ryuki Serie. Die Wobbler sind zwar robust im Drill, auch bei grossen Fischen. Sie brechen aber leider relativ schnell, wenn man sie gegen einen Stein oder eine Wand wirft, was ja jedem mal passiert...

 

Einen weiteren Schwachpunkt sehe ich in der Langlebigkeit der Lackierung. Leider blättert die Farbe etwas schnell ab durch gröbere Abnutzung wie das Anschlagen gegen einen Stein o.ä. Achtung: Gilt nicht für Ghost Farben!

Die Farbe bzw. die Lackierung hält dem Kratzen der Drillinge oder Würfen an Steine und Felsen nicht dauerhaft stand.
Die Farbe bzw. die Lackierung hält dem Kratzen der Drillinge oder Würfen an Steine und Felsen nicht dauerhaft stand.

Ausstattung

Drillinge: Die Drillinge an den Ryukis waren bis letztes Jahr nicht überzeugend, da sie zu dünndrahtig waren und sehr schnell aufbogen. So verlor ich leider einige schöne Fische und wechselte alle Drillinge gegen solche von Owner aus. Aber zum Glück hat DUO das erkannt und seit ungefähr einem Jahr werden die Ryuki Wobbler mit deutlich robusteren Drillingen ausgestattet. Diese sind hart, ultra scharf und haben eine matt-schwarze Oberfläche. Sehr gute Drillinge.

 

Ösen: Die Ösen sind top, da gibt es nichts zu beanstanden.

 

Sprengringe: Mehrmaliges Hin- und Herwechseln von Drillingen und Einzelhaken hat nie dazu geführt, dass die Sprengringe nicht mehr sauber geschlossen hätten. Und sie sind auch absolut rostfrei bis jetzt. Also Sprengringe auch top.

 

 

 

 

 

 

 

 

Einsatzzweck

Aus den oben erwähnten Eigenschaften kristallisiert sich der Einsatzzweck des Ryuki S schnell heraus: Fliessgewässer! Egal ob Bach, Bergbach oder Fluss, Hauptsache Strömung. Ab mittelstarker Strömung fängt es an, doch er kann selbst in den sehr schnell fliessenden Zonen noch problemlos eingesetzt werden. Hauptzielfisch ist natürlich klar die Bachforelle bzw. Flussforelle.

 

Von den Grössen her empfehle ich in sehr kleinen Bächen und Bergbächen die 45mm und 50mm Variante, in etwas grösseren Bächen ist die 60mm Variante ideal und in Flüssen würde ich den 70mm und 80mm Ryuki fischen.

 

Dafür ist er grundsätzlich ungeeignet für stilles oder nur langsam fliessendes Wasser, da ohne Strömung die Aktion wegbleibt und er würde auch viel zu schnell sinken, ausser er wird sehr schnell geführt und ständig getwitcht. Deshalb die einzige Ausnahme: Seeforellenfischen! Hierfür erwies er sich als durchaus brauchbar, ja sogar sehr fängig, u.a. dank seiner sehr hohen Wurfweiten und die Seeforellen haben bekanntlich keine Mühe mit schneller Köderführung.

 

 

Ein schnellfliessender Bach/Fluss wie dieser wäre ein idealer Einsatzort für den Ryuki S, da kaum ein anderer Wobbler bei solcher Strömung noch normal funktioniert.
Ein schnellfliessender Bach/Fluss wie dieser wäre ein idealer Einsatzort für den Ryuki S, da kaum ein anderer Wobbler bei solcher Strömung noch normal funktioniert.

Fängigkeit

Zur Fängigkeit bedarf es wohl nicht vieler Worte, der Ryuki S ist eine echte Waffe! U.a. weil man damit an Stellen fischen kann, wo es mit anderen Wobblern schlicht unmöglich ist. Kein anderer Wobbler hat mir so viele, teils grosse Bachforellen beschert.

 

Es ist aber wirklich eine Übungssache, der Ryuki S ist kein typischer Wobbler, man fängt erst gut damit, wenn man den Dreh raus hat...

DUO Spearhead Ryuki MDF (Middle Deep Floating)

Offizielle Daten

Grössen in mm:           50, 70,

Ködergewichte in g:     3.4, 5.4

Schwimmverhalten:     Schwimmend

Hakengrössen:             #12, #10
Ungefährer Preis:         Franken 16.-

 

Korrektheit der Angaben: Ich habe keine Abweichung der offiziellen Angaben feststellen können.

Form

Auch der Ryuki MDF verfügt über die namensgebende spitzige, dünne Kopfform. In der Körperform unterscheidet er sich aber deutlich vom sinking Modell: Er ist runder und voluminöser, leichter und weniger kompakt, hinzu kommt eine andere Tauchschaufel (länger und flächer). Dies führt zu ganz anderen Laufeigenschaften...

Schwimm- & Laufverhalten

Die MDF Modelle sind schwimmend, das heisst, wenn sie nicht unter Zug stehen, schwimmen sie an der Oberfläche. Unter Zug sorgt die Tauchschaufel für eine ziemlich konstante Tauchtiefe, die ich für die 50mm Variante auf ca. 50 bis 70cm Tiefe und für die 70mm Variante auf ca. 1m Tiefe schätzen würde.

 

Die Tauchschaufel sorgt normal eingekurbelt für eine typische „Wobbling-Action“ und immitiert die Schwimmbewegung eines echten Fischchens nahezu perfekt. Er lässt sich auch twitchen, verhält sich dabei aber ganz anders. Im Gegensatz zum sinking Modell bricht der MDF seitlich aus beim twitchen und sollte deshalb seltener und mit mehr Pausen getwicht werden. Bei einem Spinstopp steigt er verfühererisch langsam zurück zur Oberfläche hoch.

 

Aber mit so starken Strömungen wie sein sinkender Bruder kommt der MDF nicht zurecht, er kippt in stärkeren Strömungen und läuft nicht mehr stabil. Er performt am besten im Stillwasser und leichten bis höchstens mittelstarken Strömungen.

Wurfeigenschaften

Da der MDF leichter und weniger aerodynamisch ist, kann er wurftechnisch nicht mit dem sinkenden Modell mithalten. DUO hat das aber ziemlich gut kompensiert durch das Einbauen eines Wurfsystems: Die Kugel verlagert den Schwerpunkt beim Wurf nach hinten und ermöglicht dadurch einen sehr stabilen Flug, wodurch die Wurfweiten trotz Leichtgewicht absolut passabel sind.

Im Bild ist das Wurfsystem erkennbar. Die schwere Kugel wird vom Magneten vorne gehalten, beim Wurf wird sie nach hinten geschleudert und stabilisiert die Flugbahn.
Im Bild ist das Wurfsystem erkennbar. Die schwere Kugel wird vom Magneten vorne gehalten, beim Wurf wird sie nach hinten geschleudert und stabilisiert die Flugbahn.

Farbe & Lackierung

Für die Farbgebung gilt dasselbe wie beim sinking modell: Sauber und detailliert von Hand bemalt. Einziger Negativpunkt: Es sind bislang viel weniger Farben erhältlich als für das sinking Modell. Das ist aber normal, da es dieses Modell auch erst seit einem Jahr gibt.

 

Langlebigkeit

Die Langlebigkeit überzeugt auch hier, wieder ist es mehr die Robustheit bei gröberen Gewalteinwirkungen, die ein Schwachpunkt ist. Auch die MDF Modelle sind zwar robust im Drill, auch bei grossen Fischen, brechen aber leider relativ schnell, wenn man sie gegen einen Stein oder eine Wand wirft. Die Tauchschaufel überzeugt, sie zeigt kaum Abnutzung nach dem Kratzen auf Steinboden.

 

Den Schwachpunkt mit dem Abblättern der Farbe nach dem Wurf gegen einen Stein und dergleichen hat auch das MDF Modell ein wenig, aber deutlich seltener.

Die Tauchschaufel der MDF Modelle ist sehr robust, sie zeigt kaum Gebrauchspuren, obwohl sie häufig über Steinboden kratzt.
Die Tauchschaufel der MDF Modelle ist sehr robust, sie zeigt kaum Gebrauchspuren, obwohl sie häufig über Steinboden kratzt.

Ausstattung

Drillinge: Da es das MDF Modell erst seit einem Jahr gibt, waren diese Wobbler von Anfang an schon mit den verbesserten Drillingen ausgestattet. Diese sind hart, ultra scharf und haben eine matt-schwarze Oberfläche. Qualitätsfazit Drillinge: Sehr gut.

 

Genau wie beim sinking Modell wird standartmässig leider mit Widerhaken geliefert, diese lassen sich aber zum Glück leicht abklemmen.

 

Ösen: Die Ösen sind ebenfalls top, da gibt es nichts zu beanstanden.

 

Sprengringe: Wie beim sinking Modell: Mehrmaliges Hin- und Herwechseln von Drillingen und Einzelhaken hat nie dazu geführt, dass die Sprengringe nicht mehr sauber geschlossen hätten und Rost blieb bisher auch aus, die Sprengringe sind top.

100% überzeugende Bestandteile bei beiden Modellen.
100% überzeugende Bestandteile bei beiden Modellen.

Einsatzzweck

Ihr ahnt es sicher schon... der Ryuki MDF ist die ideale Ergänzung zum Ryuki S. Er kann das, was das sinkende Modell nicht kann, und umgekehrt.

 

Sein Spezialgebiet liegt in langsam fliessenden Bächen und Flüssen und im Stillwasser, sprich Seen und Bergseen.

 

Eine sehr gute Figur macht er in Bächen mit vielen tiefen, ruhigen Pools. Er kann sehr langsam geführt werden und dadurch auch in kleinsten Pools lange genug in der fängigen Zone präsentiert werden. Tiefe. Ein idealer Einsatzzweck sind auch langsam fliessende Wiesenbäche mit unterspülten Ufern. Für diese Zwecke würde ich die 50mm Variante empfehlen.

 

Im See ist ist der MDF in beiden Grössen ein genialer Egliköder, wenn sie jagen!

 

Im Bergsee oder in grösseren, ruhig fliessenden Flüssen würde ich ihn als Suchwobbler einsetzen: Fächerartig alles abwerfen, langsam einholen und gelegentlich Twitchen mit häufigen Spinstops. In diesen Gewässern setze ich auf die 70mm Variante.

Solch ein langsam fliessender Pool mit scheuen Forellen ist perfekt für den Ryuki MDF... vorsichtig von unten heran pirschen und langsam einkurbeln mit einigen Twitches!
Solch ein langsam fliessender Pool mit scheuen Forellen ist perfekt für den Ryuki MDF... vorsichtig von unten heran pirschen und langsam einkurbeln mit einigen Twitches!

Fängigkeit

Da meine Gewässer häufig schnell fliessend sind, habe ich mit diesem Modell noch nicht so häufig gefischt. Aber in den Momenten wo sein Einsatz passte, hat er mir seine Fängigkeit jedes mal eindrücklich bewiesen! Insbesondere an Bergseen habe ich schon sehr gut gefangen damit, aber auch in langsameren Bächen wie der Gürbe. Den 50mm MDF setze ich auch erfolgreich in den ruhigen Pools kleiner Bergbäche ein.


Abschliessendes Fazit & Bewertung

+      Positive Punkte bei beiden Modellen sind die Fängigkeit, die schönen Farben und die Ausstattung (Drillinge, Ösen, Sprengringe).

+      Die Spearhead Ryuki Wobbler sind in immer mehr Geschäften erhältlich, zu einem sehr fairen Preis von ungefähr 16.- pro Stück.

+      Besonders hervorzuheben beim Ryuki S sind die genialen Wurfeigenschaften und die unglaubliche Strömungsresistenz trotz stärksten Fliessgeschwindigkeiten.

+      Beim Ryuki MDF besonders hervor zu heben sind der sehr realistische Lauf beim Einholen von sehr langsam bis schnell geführt und die attraktiven Aufsteigphasen bei einem Spinstopp.

+      Die physikalisch bedingten Nachtteile der MDF Serie beim Werfen wurden dank einem Wurfsystem nahezu kompensiert.

+      Beide Modelle sind im Wasser fast geräuschlos, was ich sehr wichtig finde. Meiner Erfahrung nach reagieren gerade die klugen Forellen sehr bald empfindlich auf laute Köder mit Rasseln etc. Wahrscheinlich ein wichtiger Grund, warum diese Wobbler selbst in stark befischten Gewässern noch trumpfen.

 

-      Negativpunkte sind die Abnutzungserscheinungen nach stärkeren mechanischen Einwirkungen, z.B. das Abblättern der Farbe oder sogar ein Bruch des Wobblers nach einem Aufprall auf einen Stein oder ähnlich. Allerdings haben alle Kunststoff-Wobbler dieses Problem und schlussendlich ist man selber schuld, wenn man einen Wobbler gegen einen Felsen knallt, insofern werde ich diesen Punkt nicht zu stark gewichten.

-      Ein Negativpunkt des MDF ist aktuell die kleine Farbauswahl, was sich aber bald ändern soll.

 

Alles in allem: Die beiden Modelle Ryuki S und Ryuki MDF ergänzen sich perfekt. Beide machen in ihrem jeweiligen Einsatzzweck eine tolle Figur und sind sehr fängig. Dank der verschiedenen Modelle, Grössen, Gewichte und Farben gibt es für jede Situation den richtigen Wobbler, um die Salmoniden zu überlisten. Die positiven Punkte überwiegen meiner Meinung nach deutlich die negativen.

 

Ich hoffe, euch hat der Bericht geholfen und wünsche euch viel Glück an der baldigen Forelleneröffnung!

 

Liebe Grüsse und big petri!

Nicola