Die ultimative Geduldsprobe: Spinnfischen auf Seeforellen

Einleitung:

Spinnfischen für Spinner beschreibt es eigentlich ziemlich gut. Denn auf den ersten Moment tönt alles, was zum winterlichen Seefo-Fischen gehört, nicht gerade verlockend: Kälte, taube Finger, gefrorene Rutenringe, tausende Würfe und noch dazu ist der Fang einer Seeforelle manchmal so selten wie ein Lottogewinn. Und trotzdem übt diese Hardcore-Spinnfischerei offenbar eine unglaubliche Faszination aus, pilgern doch jedes Jahr viele Seeforellen-Enthusiasten an die grossen Eröffnungen, obwohl die allermeisten von ihnen mit leeren Händen heimkehren werden.

 

Was ist es, das es so packend macht? Ganz einfach: Wenn es einem tatsächlich gelingt, eine silberblanke Seeforelle zu fangen, nach so viel hartem Einsatz, ist das ein unbeschreibliches Gefühl wie bei keinem anderen Fisch. Und schon nur davon zu träumen genügt schon um Jahr für Jahr tagelang am Wasser zu stehen und zu werfen, werfen, werfen...

Dieser unbezahlbare Moment macht alle Strapazen wett. Die tauben Finger, der eiskalte Wind, alles ist in diesem Moment unwichtig. Von so einem Fisch zu träumen, das ist die Faszination des Seeforellenfischens!
Dieser unbezahlbare Moment macht alle Strapazen wett. Die tauben Finger, der eiskalte Wind, alles ist in diesem Moment unwichtig. Von so einem Fisch zu träumen, das ist die Faszination des Seeforellenfischens!

Saison:

Die Seeforellensaison beginnt im Winter, wobei die Eröffnungstage von Kanton zu Kanton variieren: Im Kanton VD geht es schon am 16.Dez. los, in Zürich und der Innerschweiz am 26. Dez und wir armen Berner müssen bis zum 1. Februar warten, um mal ein paar Beispiele zu nennen (ohne Gewähr!).

 

Lustigerweise wird dann aber auch fast nur im Winter gefischt, besonders die Eröffnungstage sind Kult. Dabei sind die Bedingungen in der Zeit ja eigentlich alles andere als angenehm, mit Schnee, Wind und eisiger Kälte. Aber für viele ist das Seeforellenfischen halt auch eine ideale Zwischenbeschäftigung, bis im Frühling wieder die Bachforellen und Raubfische befischt werden dürfen. Und wenn es so weit ist, denkt kaum einer mehr ans Seefofischen, obwohl bis Ende Mai die Chancen eigentlich noch da sind, vom Ufer einen Silberbarren zu fangen.

Typischerweise wird im Winter auf Seeforellen gefischt. Seeforellenwerfen ist nichts für Kälteempfindliche, oft kämpft man mit eisigen Temperaturen! Als Entschädigung gibt es manchmal perfekte Stimmungen wie hier am Lac de Joux.
Typischerweise wird im Winter auf Seeforellen gefischt. Seeforellenwerfen ist nichts für Kälteempfindliche, oft kämpft man mit eisigen Temperaturen! Als Entschädigung gibt es manchmal perfekte Stimmungen wie hier am Lac de Joux.

Tackle:

Rute: Für die Rutenwahl entscheidet das Ziel, maximale Wurfweiten zu erreichen, weshalb wir auf längere Spinnruten von ca. 2.40m bis 2.70m setzen (je nach Vorliebe). Mit noch längeren Ruten wird eine aktive Köderführung halt immer schwieriger und anstrengender (z.B twitchen). Die Ringe dürfen nicht zu klein sein, da sie sonst bei Minustemperaturen zu schnell zufrieren, was sehr mühsam ist.

Um eine gute Bissübertragung auf grosse Distanzen zu gewährleisten und vor allem um auf jede Distanz einen effektiven Anhieb zu setzen, sollte die Rute nicht zu weich sein und über genug Rückgrat verfügen.

Zu guter Letzt darf sie nicht schwerfällig oder kopflastig sein, die Combo muss mit der Rolle zusammen perfekt ausbalanciert sein, sonst macht es definitiv bald keinen Spass mehr, da der Rutenarm zu verkrampfen beginnt.

 

Aus all diesen Gründen macht es zum Seeforellenfischen mehr als irgendwo sonst Sinn, in eine wirklich hochwertige, moderne Rute zu investieren, die all diese Bedingungen erfüllt!

 

Rolle: Sie sollte eine robuste 2500er bis 3000er Stationärrolle sein mit einer Spule, die die Schnur möglichst reibungslos frei gibt für maximale Wurfdistanzen. Robust deshalb, weil die Rolle beim Seefofischen extrem belastet wird, denn sie wird den ganzen Tag pausenlos intensiv gebraucht, hinzu kommt das permanente Twitchen und Jerken der Wobbler, was die Rolle alles aushalten muss. 

 

Schnur: Als Hauptschnur setzen wir auf eine hochwertige, 8-Fach Geflochtene von ca. 16lb Tragkraft (Etwa 0.10er Durchmesser). Je hochwertiger und rundgeflochtener die Schnur, desto reibungsfreier gleitet sie ab der Rolle und durch die Ringe.

 

Doch ihr müsst unbedingt noch eine zweite Spule zu der Rolle haben, die mit Monofilschnur gefüllt ist (hochwertige Mono mit ca. 0.25-0.28mm Durchmesser), um gegebenenfalls wechseln zu können! Denn sobald die Temperaturen mehr als nur einige Grad unter 0 fallen, beginnt jede Geflochtene chancenlos zuzufrieren und ihr müsst auf die Monoschnur wechseln.

Unsere Seefocombos als Beispiele: Oben die Hearty Rise Stalker mit 2500er Twinpower Rolle (Ändu's Combo), unten die Hearty Rise Night Attack mit 2508er Daiwa Caldia Rolle (Nici's Combo). Zwei echte Traumcombos!
Unsere Seefocombos als Beispiele: Oben die Hearty Rise Stalker mit 2500er Twinpower Rolle (Ändu's Combo), unten die Hearty Rise Night Attack mit 2508er Daiwa Caldia Rolle (Nici's Combo). Zwei echte Traumcombos!

Vorfach und Snap

Als Vorfach dient ein genügend langes Stück Fluorocarbon von ca. 0,28mm Durchmesser. Um die scheuen Seeforellen auf keinen Fall zu erschrecken, darf es ruhig etwa 1,5m lang sein, wir wollen ja nicht, dass nach 1000 Würfen endlich eine Seefo unseren Köder sieht und dann sogar wieder abdreht! Das Vorfachstück wird direkt mittels Blutknoten oder doppeltem Grinner mit der Geflochtenen verbunden, sodass der Knoten zum Auswerfen problemlos durch die Ringe gezogen werden kann. Ans Vorfach wird ein Quicksnap geknüpft.

Wenn ihr bei Minusgraden mit Monofilschnur fischt, braucht es kein Vorfach und ihr könnt den Snap direkt an die Mono Hauptschnur knoten. 

 

In beiden Fällen wird der Wobbler also ganz einfach mittels simplem, aber hochwertigem Snap ans Vorfach eingehängt. Ein Wirbel ist unnötig, da die Köder nicht rotieren...

Köderwahl?

Eigentlich kann man gar nicht wirklich sagen, welche Köder gut sind auf Seeforellen und welche nicht. Dafür werden schlicht viel zu wenig gefangen, als dass man darüber klare Aussagen treffen kann. Viel mehr scheint es am allerwichtigsten zu sein, dass ihr Vertrauen in den Köder habt, den ihr benutzt und immer daran glaubt. Trotzdem versuchen wir zumindest ansatzweise einige Tipps zu geben, damit ihr nicht total auf dem Holzweg seid...

 

Farblich passt man die Köder den Futterfischen an, häufig wird mit silbernen Mustern gefischt (imitiert Jungfelchen, Läugel und viele andere Beutefische). Grössenmässig fischen die meisten Seeforellenfischer mit Hardbaits von ca. 8-12cm, einige wenige setzen auf Auffälligkeit und fischen sogar mit bis zu 14cm grossen Wobblern, was dann schon ein ordentlicher Happen ist. Wieder andere setzen auf den altbewährten Löffel aus Metall oder Perlmutt. Hier sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

 

Für eine maximale Effizienz fischt man auf Seeforellen vom Ufer aus typischerweise mit Hardbaits oder Löffeln, die sich weit werfen lassen. Sie sind in der Regel schlank, länglich und verhältnismässig schwer. Moderne solche Hardbaits, meistens Minnows (längliche Wobbler), verfügen im Innern über speziell entwickelte Wurfsysteme (Kugeln, die den Schwerpunkt verschieben, etc.), um sie noch weiter werfen zu können.

Eine gut sortierte Box mit Ködern aller Grössen, so hat man immer etwas passendes dabei. Bild: Hardbaits von 8cm bis 12,5cm. Aber Achtung, man sollte sich nicht dazu verleiten lassen, nur noch ständig die Köder zu wechseln, wenn eine Weile nichts beisst!
Eine gut sortierte Box mit Ködern aller Grössen, so hat man immer etwas passendes dabei. Bild: Hardbaits von 8cm bis 12,5cm. Aber Achtung, man sollte sich nicht dazu verleiten lassen, nur noch ständig die Köder zu wechseln, wenn eine Weile nichts beisst!

Welche Wobbler fischen wir?

Wir können grob gesagt zwei Typen von Hardbaits unterscheiden, die am häufigsten zum Seeforellenfischen verwendet werden, beide verfügen über gute Wurfdistanzen und haben sich als fängig auf Seeforellen erwiesen:

 

  1. Minnows: Längliche, schlanke Wobbler mit kleiner, fast senkrecht stehender Tauchschaufel. Sie eignen sich hervorragend zum Twitchen und Jerken, laufen in der Regel nicht weit unter der Oberfläche. Typischerweise gewichtsmässig eher leicht, dafür mit Weitwurfsystemen im Innern, um genug Wurfdistanz zu erreichen. Führungsweise: Aktiv einige male twitchen/jerken, dazwischen immer wieder mal einen kurzen Stop einlegen oder auch einige Meter monoton einkurbeln, dann wieder weiter twitchen.
  2. Stickbaits: Schaufellose Hardbaits und somit keine Wobbler im eigentlichen Sinne. Sie verfügen über eine ganz andere Aktion im Wasser und eignen sich für eine langsamere, ruhigere Präsentation als Minnows. Führungsweise: Stickbaits wackeln höchstens leicht hin und her während sie monoton herangezogen werden. Ihre Stärke liegt darin, sie jeweils ein bis zwei Meter an gespannter Schnur absinken zu lassen, wobei sie verführerisch zu flattern beginnen. Danach kurz ruckartig etwas näher heranholen und erneut absinken lassen. Die Bisse erfolgen oft in der flatternden Absinkphase, deshalb unbedingt guten Schnurkontakt halten!

 

Unten in den Bildern seht ihr je ein Beispiel dazu mit Ködern, die wir zur Zeit viel verwenden:

Ein typisches Beispiel für einen Minnow ist der Tide Minnow Slim 120 von DUO. Lang, schlank, mit Weitwurfsystem. Ursprünglich für die Meeresfischerei entwickelt, hat er sich als sehr fängiger Seeforellenwobbler erwiesen.
Ein typisches Beispiel für einen Minnow ist der Tide Minnow Slim 120 von DUO. Lang, schlank, mit Weitwurfsystem. Ursprünglich für die Meeresfischerei entwickelt, hat er sich als sehr fängiger Seeforellenwobbler erwiesen.
(Fast) ein Stickbait ist dieser Realis Spinbait von DUO. Er flattert zwar auch beim Absinken und wackelt beim Einholen, aber er hat etwas was, die anderen nicht haben: Die Propeller! Dieser Köder hat für Furore gesorgt mit vielen Seeforellenfängen!
(Fast) ein Stickbait ist dieser Realis Spinbait von DUO. Er flattert zwar auch beim Absinken und wackelt beim Einholen, aber er hat etwas was, die anderen nicht haben: Die Propeller! Dieser Köder hat für Furore gesorgt mit vielen Seeforellenfängen!

Taktik:

Vereinfacht gesagt: Werfen, werfen, pausenlos werfen. So weit wie möglich, um so viel Fläche abzudecken wie möglich, und irgendwann wird es dann schon klappen.

 

Aber ganz so primitiv ist es natürlich auch wieder nicht. Ihr könnt das schon einfach an irgend einer beliebigen Stelle so machen, aber dann ist die Chance, dass eine der seltenen Seeforellen in den riesigen Wassermassen rein zufällig euren Köder sieht, rechnerisch gesehen quasi null. Da wäre es wohl wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen zu werden oder im Lotto zu gewinnen.

 

Deshalb macht es Sinn, eure Chancen zumindest ein bisschen zu erhöhen, in dem ihr einen Spot befischt, den die Seeforellen möglicherweise etwas häufiger aufsuchen. Die Chancen sind zwar immer noch klein, aber es ist wenigstens realistisch, dass es mit genug Geduld klappen könnte :-)

Solche Spots können Orte sein, wo es Beutefischchen gibt, wo viele Insekten auf dem Wasser landen (Anflugnahrung), oder auch Bach- bzw. Flusseinmündungen, die auch vermehrt Futter bieten. Also einfach Stellen, an denen es sich für eine Seeforelle lohnen könnte, sich vermehrt dort aufzuhalten.


Man sagt als Sprichwort: Pro 1000 Würfe eine Seeforelle. In der Realität sind es wohl noch etwas mehr...

 

Alles in Allem: Durchhalten und immer daran glauben, dass es klappt. Die Belohnung ist es Wert!

 

Einige Bilder dazu...

Unsere bisherigen Seeforellenfänge und ein paar Stimmungsbilder dazu: