Moderne Methoden (Finesse) am Bergbach

Einleitung

Ins kleinsten Berbächen macht das Fischen auf Bachforellen mit Finessetechniken unglaublich viel Spass! Es ist sehr fängig und bietet viel Action!
Ins kleinsten Berbächen macht das Fischen auf Bachforellen mit Finessetechniken unglaublich viel Spass! Es ist sehr fängig und bietet viel Action!

Wenn Bergäche sehr klein werden, stossen wir beim Spinnfischen mit dem Wobbler an unsere Grenzen... die guten Spots sind so klein, dass man den Wobbler kaum noch vernünftig führen kann. Die Alternative: Finessetechniken! Mit diesen Techniken könnte man einen Kunstköder auch in kleinsten Pools perfekt präsentieren. Die Frage war nur, welche Technik eignet sich für den Bergbach? Und welche Modifikationen bzw. Änderungen muss man evtl. vornehmen?

 

In den letzten zwei Jahren haben wir einiges ausprobiert und viele Erfahrungen mit Gummiködern und deren Präsentationsmöglichkeiten im Bergbach gesammelt und dabei haben sich einige Methoden herauskristallisiert, die sich als so fängig herausstellten, dass sie unsere Topmethoden in Klein- und Kleinstbächen wurden. Diese Techniken möchten wir euch nun etwas genauer vorstellen...

Welche Vorteile bieten solche modernen Techniken gegenüber dem Tippfischen mit Naturködern?

Gummiköder haben den Vorteil, dass die Bachforellen sie nicht schlucken. In fast allen Fällen sind die Fische perfekt vorne im Maul gehakt und somit können Untermassige wie auf diesem Bild schonend und schnell released werden. Ein nachhaltiger Gewinn!
Gummiköder haben den Vorteil, dass die Bachforellen sie nicht schlucken. In fast allen Fällen sind die Fische perfekt vorne im Maul gehakt und somit können Untermassige wie auf diesem Bild schonend und schnell released werden. Ein nachhaltiger Gewinn!

Diese Techniken sind so fängig, dass sie dem Naturköder in nichts nachstehen. Von Wurm und Co. konnten wir uns somit endgültig verabschieden. Und das ist natürlich ein grosser Gewinn für den Fischbestand, wenn man bedenkt wie viel schonender solche Methoden für die Fische sind! Insbesondere für die Untermassigen, die einen Naturköder oft schlucken und kaum mehr zu retten sind.
Wer also nachhaltig denkt und auch in Zukunft noch schöne Bachforellen fangen möchte, sollte sich über solche Alternativen zum Naturköder Gedanken machen, und hierfür bieten wir den ersten Schritt.

Tackle-Wahl

Gutes Beispiel für eine Bergbach-Finesse Combo: HR Evolution LG mit 2004er Luvias und Varivas super trout PE
Gutes Beispiel für eine Bergbach-Finesse Combo: HR Evolution LG mit 2004er Luvias und Varivas super trout PE

Im Prinzip genügt die gleiche Combo, wie wir auch empfehlen fürs Wobblerfischen im kleinen Bergbach, also eine kurze, mittelschnelle bis schnelle Spinn- oder Castingrute der Light Klasse L (Wg von ca. 2-10g) und dazu eine leichte Spinn- oder Castingrolle, bespult mit einer dünnen geflochtenen Schnur.

Wichtig ist, dass die Rute leicht und feinfühlig ist mit genügend Rückgrat, damit ihr die feinen Rigs perfekt führen könnt und jeden noch so scheuen Biss ertastet. Klar ist solch ein Kompromiss nicht perfekt, aber so braucht ihr nicht zwei verschiedene Ruten mit an den Bach zu nehmen und könnt jederzeit zwischen dem Spinnfischen und diesen Finesse-Techniken abwechseln.

Vorfach und Snap

Genau wie auch beim Spinnfischen am Bergbach: Vorfach: Ca. 50cm langes Vorfach aus hochwertigem, abriebsfestem Fluorocarbon. Ca. 0.20mm bzw 6lb Tragkraft. Direkt an die geflochtene Hauptschnur geknüpft, beispielsweise mit dem Blutknoten oder dem doppelten Grinner. Am Ende des Vorfachs genügt ein einfacher, hochwertiger Snap in kleinster Grösse ohne Wirbel, zum schnellen Einhängen und Auswechseln der Rigs.

Köderwahl (gilt für beide unten vorgestellten Methoden!)

Zum Finessefischen im Bach passen kleine Gummiköder von 2'' Länge, also etwa 5cm. In der Regel setzen wir auf Gummifische (Shads und Pintails). Am häufigsten verwenden wir als Gummiköder den Easy Shiner von Keitech in 2'' und den Virago von Molix in 2''. Manchmal sind auch kleine Kreature-Baits wie der Little Spider von Keitech einen Versuch wert (z.B. bei hohem Insektenaufkommen im Bach). 

Farblich setzen wir ganz klar auf natürliche Farben, ausser in trübem Wasser darf auch ruhig eine auffälligere Köderfarbe gewählt werden.

 

Speziell fürs Bergbach-Carolina-Rig (2. unten vorgestellte Methode) eignen sich auch sogenannte Worms, d.h. Gummiwürmer sehr gut, von der Länge her etwa 2-3'' (5-7cm), zum Jiggen mit Microjiggs passen die aber gar nicht! Mit Worms am C-Rig zu fischen ist am Bach vor allem früh in der Saison sehr erfolgreich, wenn die Bachforellen im kalten Wasser noch träge sind und keine Fischchen jagen wollen (deshalb auch langsam führen).

Beispiele fängiger Gummis für den Bergbach. V.l.n.r. Keitech Easy Shiner 2'', Molix Virago 2'', Trabucco Worm.
Beispiele fängiger Gummis für den Bergbach. V.l.n.r. Keitech Easy Shiner 2'', Molix Virago 2'', Trabucco Worm.

Jiggen mit Micro-Jigs

Technik & Montage

Micro-Jiggen heisst nichts anderes als das Fischen mit sehr kleinen, feinen Jigs. Wir sprechen hier von Jigköpfen von gerade mal 1-2g und Hakengrössen von 1-2.

Unser favorisiertes Jigkopf-Modell zum Microjiggen im Bergbach sind die Tungsten-Jigheads von Keitech. Sie verfügen über einen superscharfen Haken, sind in kleinsten Grössen erhältlich und der Kopf aus Tungsten (Wolfram) ist extrem hart, langlebiger und umweltfreundlicher als Blei.

 

Der Gummiköder wird einfach wie üblich sauber auf den Jig aufgezogen und der Jig direkt in den kleinen Snap eingehängt, fertig. Wichtig ist, dass der Jighaken extrem scharf ist und das solltet ihr auch beim Fischen regelmässig prüfen (Abstumpfung durch Steine im Bach), um die Bissauswertung zu optimieren.

Keitech Tungsten Jigheads in Microgrössen (zwischen 1 und 2.5g). Die Widerhäken müssen natürlich noch weg ;-)
Keitech Tungsten Jigheads in Microgrössen (zwischen 1 und 2.5g). Die Widerhäken müssen natürlich noch weg ;-)
Korrekt aufgespiesste Gummis als Beispiele. Mit Grössenvergleich.
Korrekt aufgespiesste Gummis als Beispiele. Mit Grössenvergleich.

Führung & Praxis

Am Bach nähert ihr euch den verdächtigen Stellen von unten her (!), um von den scheuen Bachforellen nicht entdeckt zu werden. Ihr schleicht euch vorsichtig so nah wie möglich heran und werft den Jig präzise an die anvisierte Stelle. Den Jig an gespannter Schnur absinken lassen und dann in kleinen Hüpfern über den Bachgrund zupfen. Beim kleinsten Zupfer/Biss sofort fein aber bestimmt anschlagen, denn die Forellen spucken den vermeintlichen Snack gleich wieder aus, wenn sie den Betrug bemerken.

Im richtigen Moment den Anhieb gesetzt, sitzt der Haken perfekt im Mundwinkel. Finesse Fischen im Bach ist deshalb sehr schonend, weil kaum ein Köder verschluckt wird und kleine Forellen gut und schonend releast werden können.
Im richtigen Moment den Anhieb gesetzt, sitzt der Haken perfekt im Mundwinkel. Finesse Fischen im Bach ist deshalb sehr schonend, weil kaum ein Köder verschluckt wird und kleine Forellen gut und schonend releast werden können.

Bergbach-Carolina-Rig

Technik & Montage

Die Methode ist dem echten Carolina-Rig sehr ähnlich, aber wir haben einige Änderungen vorgenommen, um es dem Einsatz im Bergbach perfekt anzupassen: Statt einem Offset-Haken verwenden wir einen normalen Haken, da im Bergbach i.d.R. keine grosse Hängergefahr besteht durch Kraut, Äste, etc. So ist die Bissauswertung deutlich gesteigert. Dass der Haken hochwertig und extrem scharf sein muss, versteht sich von selbst. Wovon hingegen eine grosse Hängergefahr ausgeht sind die Steine am Bachgrund, da diese Methode quasi über den Grund geschleipft wird. Dass dabei regelmässig das Gewicht zwischen dein Steinen einklemmt, ist leider unvermeidlich. Damit das aber auf Dauer nicht zu teuer wird, haben wir die teuren Bullet-Weights vom echten C-Rig durch einfache, billige Laufbleie (Gewicht 2g) ersetzt.

Das alles sieht das dann schliesslich so aus: Beginnend mit dem Haken, nach ca. 20cm ein Gummistopper, gefolgt vom Laufblei, weitere ca. 20cm und am Schluss eine Schlaufe. Das ganze wird auf Fluorocarbon von 6-8lbs (3-4kg Tragkraft) geknüpft.

Nun muss nur noch der Gummiköder auf den Haken gezogen werden, die Schlaufe in den Snap gehänkt und fertig. Es ist empfehlenswert, sich einige solcher Rigs bereits zu Hause vorzubereiten und aufzuwickeln, um am Bach keine Zeit zu verlieren nach einem Abriss. 

So sollte es am Schluss aussehen, bereit zum Fischen.
So sollte es am Schluss aussehen, bereit zum Fischen.

Führung & Praxis

Der Anfang ist gleich wie beim Microjiggen. Aber die Führung ist anders: Nachdem eure Montage in der verdächtigen Zone gelandet ist, lasst ihr das C-Rig auch zum Grund sinken. Aber dann wird es nicht sprunghaft gejiggt, sonder nur über den Grund geschleipft, mit dem Lauf der Strömung. Dabei immer Schnurkontakt behalten und gelegentlich mit kurzen Zupfern etwas animieren. 

Auch hier gilt: Bei jedem feinsten Biss sofort anschlagen.

Mit dem C-Rig eine kleinere Bachforelle überlistet. Mit dieser Methode schöpfen die Forellen auch im klaren Wasser kaum Verdacht.
Mit dem C-Rig eine kleinere Bachforelle überlistet. Mit dieser Methode schöpfen die Forellen auch im klaren Wasser kaum Verdacht.

Noch ein paar Tipps:

  • Mit der Zeit lernt ihr zu unterscheiden, bei welchem Biss es sich um grosse Fische handelt und bei welchem Biss um Untermassige, sodass ihr mit genügend Übung je nach Art des Bisses gar nicht mehr einen Anhieb setzen müsst und dadurch die Kleinen vor unnötigen Verletzungen bewahrt. 
  • Je besser eure Ausrüstung, je leichter und feinfühliger eure Rute, desto eher spürt ihr solche entscheidenden Unterschiede.
  • Je nach Saison wird die Geschwindigkeit variiert: Früh in der Saison, im kalten Wasser, ist eine sehr ruhige, langsame Führung angesagt, in den wärmeren Monaten darf das hingegen deutlich aktiver, schneller und mit häufigeren Zupfern stattfinden. Folglich macht das Jiggen ganz am Anfang der Saison noch kaum Sinn, da hier eine langsame Führung gar nicht möglich ist. 

Passendes Video:

Verwandte Einträge aus der Infothek:

  • Oben wird immer wieder von "verdächtigen Stellen" gesprochen. Wenn ihr noch unsicher seid, wie ihr am Bach gute Stellen erkennt und wie ihr euch verhalten und bewegen sollt, könnt ihr das hier nachlesen.
  • Wenn euch die vielen Begriffe verwirren (Shads, bullet weight, pintails, etc.) könnt ihr euch hier einen Überblick über die Begriffe der Finesse-Fischerei und die Arten von Gummiködern verschaffen.
  • Nebst der Finesse-Angelei könnt ihr am Bergbach auch beim Spinnfischen mit Wobblern erfolgreich sein. Und das sogar mit der gleichen Ausrüstung! Mehr dazu hier.

Passendes Guiding:

Sehr gerne zeigen wir euch die moderne Bergbach-Fischerei in der Praxis bei einem Guiding! Dabei zeigen wir euch sowohl die Finesse-Methoden als auch das Spinnfischen!

Mehr dazu hier.