Wetterpech im Puschlav

Ich und Joshua verbrachten fünf Tage im Val Poschiavo (Puschlav), einem der untersten Zipfel Graubündens. Dieser abgelegene, italienischsprachige Teil nahe der Italienischen Grenze ist im Tal unten zwar sehr Touristisch, doch die Bergwelt bietet eine weitgehend intakte, unberührte Natur, wie es in der Schweiz einzigartig ist. Perfekt für einen Bergsee-Trip mit dem Zelt zu unberührten, wunderschönen Bergsee-Perlen.

 

Kurz zusammen gefasst, hatten wir echtes Wetterpech und in zwei Nächten war es sogar so schlimm, dass wir nicht in die Berge konnten, ja nicht einmal das Zelt aufschlagen konnten, sondern irgendwie im Auto schlafen mussten. Regen, Regen und noch mehr Regen. Auch fischereilich hat man es uns nicht leicht gemacht, die Fische waren sehr zickig und erst in den letzten Bergseen, die wir besuchten, waren wir wirklich erfolgreich. Aber erstmal der Reihe nach...

Anfahrt und Ankunft am ersten Bergsee

Nach einer rund 5-Stündigen Autofahrt, kamen wir gegen Abend im Val Poschiavo an. Da die Zeit nicht mehr reichte, um an einen abgelegeneren Bergsee zu laufen, gingen wir zu einem Bergsee (Stausee), der nur wenige hundert Meter von der Passstrasse entfernt ist. Es hat gerade noch vor dem Eindunkeln gereicht, das Zelt aufzustellen und einige Würfe zu machen. Der See ist wunderschön, doch leider wurden wir bereits das erste Mal enttäuscht: Absolut fischleer! Wie wir später erfahren mussten, wird dieser Stausee regelmässig gespühlt, sodass es inzwischen keinen Fischbestand mehr habe. Na toll...

Der Lago Braita ist zwar Landschaftlich eine Perle, nur leider absolut fischleer :-(
Der Lago Braita ist zwar Landschaftlich eine Perle, nur leider absolut fischleer :-(

Die Übernachtung war aber trotzdem ein tolles Erlebnis, bei dieser spektakulären Umgebung. Wir kamen uns vor wie in Alaska oder so. Noch lange in die Nacht sassen wir am Feuer, bis wir ins Zelt fliehen mussten, da es zu regnen begann.

was für ein Naturerlebnis!
was für ein Naturerlebnis!

Lago Saoseo, Lago Viola

Am nächsten Morgen machten wir uns auf zu Bergseen, die ich schon von früher kannte, um keine Enttäuschungen mehr zu erleben. Unser Ziel war der Lago Viola im Val Camp, unterwegs wandert man zuerst noch am Lago Saoseo vorbei, welcher weltberühmt ist für seine Schönheit und deshalb sehr touristisch ist. Fischereilich ist der Saoseo aber eher uninteressant, da völlig überbesetzt mit kleinen Bachforellen, die überdies auch noch sehr zickig waren.

Ankunft am Lago Saoseo im Morgennebel...
Ankunft am Lago Saoseo im Morgennebel...

So kam es, dass wir diesem See nur einen kurzen Besuch abstatteten und bald weiter wanderten zum Lago Viola. Der Anblick war den kleinen Umweg aber allemal wert! Seht euch nochmal diesen traumhaft schönen See an!

Am Saoseo kommt man sich vor wie im Märchen...
Am Saoseo kommt man sich vor wie im Märchen...

Nach kurzer Wanderung kreuzten wir einen weiteren schönen Bergsee, der aber keinen Fischbestand zu haben schien...

Schön, nur leider ohne Fische...
Schön, nur leider ohne Fische...

...und bald darauf erreichten wir unser Ziel, den Lago Viola!

Der Lago Viola
Der Lago Viola

Das Zelt war schnell aufgestellt...

...und endlich konnten wir mit dem Fischen beginnen! Der Lago Viola beherbergt viele, teils beachtlich grosse Bach- und Seeforellen, das wussten wir, auch von früher, und man sah sie auch dieses Mal wieder. Nur war es eine enorm schwierige Fischerei! Wir probierten alles, was in unserem Repertoire möglich war, doch egal ob Wobbler, Gummifisch oder Trockenfliege, die Fische blieben zickig. So erlebten wir halt einfach nur eine wunderschöne Fischerei in atemberaubender Landschaft, aber leider ohne jeden Erfolg.

Jöshu am Spinnfischen in einer der vielen erfolgversprechenden Buchten. Dieses Bild ist nicht bearbeitet!
Jöshu am Spinnfischen in einer der vielen erfolgversprechenden Buchten. Dieses Bild ist nicht bearbeitet!

Naja, so gabs halt wieder nur Essen aus der Dose, ohne frischen Fisch :-)

Der Gaskocher im Einsatz, gabs halt Rösti statt Fisch...
Der Gaskocher im Einsatz, gabs halt Rösti statt Fisch...

 

Nachdem wir auch am nächsten Morgen immer noch keinen der zickigen Fische überzeugen konnten, wanderten wir resigniert schon wieder ins Tal zurück, dabei wären wir gerne länger geblieben, wenn es besser gelaufen wäre.

Dauerregen, ausharren im Tal und Fischen im Poschiavino-Fluss

Zurück im Tal angekommen, entschieden wir uns, vorerst im Tal auszuharren. Denn schon bis zu diesem Zeitpunkt war das Wetter nie gut, es hatte aber nur selten geregnet und gab immer wieder trockene Perioden, sodass es auszuhalten war. Doch mittlerweile hat es umgeschlagen, es regnete den ganzen Dienstag durch, sodass wir einfach im Auto sassen und nicht wussten, was wir machen sollten. Wir entschieden uns, trotz dem Wetter im Bach zu fischen, der durchs Tal fliesst, dem Poschiavino, um wenigstens endlich die ersten Erfolge zu haben. Gesagt, getan, liefen wir mit den leichten Spinnruten ausgerüstet, dem Fluss entlang und konnten tatsächlich die ersten Forellen unserer Reise überlisten. Diverse kleinere Bachforellen schnappten sich den DUO Ryuki, aber es war keine dabei, die es gelohnt hätte zu behalten, so durften alle wieder schwimmen...

mehrere Forellen dieser Grössenordnung konnten wir dem Poschiavino entlocken; endlich die ersten Erfolge!
mehrere Forellen dieser Grössenordnung konnten wir dem Poschiavino entlocken; endlich die ersten Erfolge!

 

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch verbachten wir bei Dauerregen äusserst unbequem und ohne viel Schlaf im Auto. Am Mittwoch Morgen war es noch schlimmer, es regnete immer noch, und inzwischen war auch unsere letzte Hoffnung vom Vortag, der Bach, unbefischbar braun angeschwollen. Uns blieb nichts anderes übrig, als den regenreichen Mittwoch irgendwie wie ganz normale Touristen hinter uns zu bringen und die Zeit tot zu schlagen. Denn auf den Donnerstag war dann endlich eine Wetterbesserung gemeldet. So verbrachten wir halt den Tag im schönen Dorf Poschiavo, wo wir in diversen Kaffees herum sitzten und ins Schwimmbad gingen. Am Abend parkten wir das Auto am schönen Poschiavo-See am Ende des Tals, um auch diese Nacht wieder im Auto zu verbringen. Gerade vor dem Eindunkeln hörte es ganz kurz auf zu regnen. Sofort schnappten wir unsere Spinnruten und machten ein paar Würfe am See. Und wir konnten es fast nicht glauben! Eine Seeforelle nach der anderen schnappte sich unsere Wobbler, innert einer halben Stunde hatten wir etwa 10 Seefos zwischen 25 und 30cm und Jöshu verlor leider auch noch ein echtes Kaliber im Drill, die geschätzte 50cm gehabt hätte! Unglaublich!

Eine der vielen Seeforellen unserer Sternstunde
Eine der vielen Seeforellen unserer Sternstunde

...doch lange ging diese Sternstunde leider nicht, bald mussten wir wieder ins Auto fliehen, und verbrachten eine weitere unbequeme Nacht auf diese Weise.

Wetterbesserung...

Am Donnerstag Morgen konnten wir es fast nicht glauben, als wir aus dem Auto stiegen: Blauer Himmel, zum ersten Mal! Endlich! Es war Zeit, unser spannendstes Ziel anzugehen, Bergseen auf über 2350m.ü.M.! Nach abenteuerlicher Anfahrt auf einer kleinen Bergstrasse parkten wir auf der Alp und konnten schon früh morgens los wandern. Schon nur die Wanderung war spektakulär!

dieser Wasserfall kommt vom See... wir waren fast am Ziel!
dieser Wasserfall kommt vom See... wir waren fast am Ziel!

Beim Wandern hatten wir einen tollen Ausblick auf das Poschiavo-Tal. Unberührte Wildnis, soweit man sehen kann, deshalb fuhren wir eigentlich da hin ;-)

was für eine Aussicht!
was für eine Aussicht!

Nach einer einstündigen Wanderung erreichten wir schliesslich den ersten von drei Bergseen, doch nach einer eher erfolglosen Fischerei wanderten wir bald zu den oberen beiden Seen weiter...

Der untere von den oberen Seen aus betrachtet. Ganz hinten links am See seht ihr unser Zelt (gelber Fleck)
Der untere von den oberen Seen aus betrachtet. Ganz hinten links am See seht ihr unser Zelt (gelber Fleck)

Und wir wurden endlich mit einer wirklich guten Fischerei belohnt. Die Seen wiesen ein tollen Bestand an schönen Namaycush auf, die deutlich von klein auf in diesem See aufwuchsen, sowie Bach- und Seeforellen aus Restbeständen von früher. Egal ob mit der Trockenfliege oder der Spinnrute, wir erlebten eine richtig schöne Fischerei auf alpine Schönheiten. Im Folgenden einfach ein paar Bilder...

Bachforelle von Jöshu auf Virago 2'' am Texas Rig
Bachforelle von Jöshu auf Virago 2'' am Texas Rig
Namaycush auf Trockenfliege
Namaycush auf Trockenfliege
noch einer auf Trockenfliege
noch einer auf Trockenfliege
auch die wenigen Bachforellen gingen auf die Fliege
auch die wenigen Bachforellen gingen auf die Fliege

 

Und so hatten wir wenigstens am letzten Abend doch noch frischen Fisch zum Znacht. Herrlich :-)

diese 3 Namays entnahmen wir und sie boten uns ein herrliches Znacht in alpiner Höhe.
diese 3 Namays entnahmen wir und sie boten uns ein herrliches Znacht in alpiner Höhe.

Danach schlug das Wetter leider schon wieder um, sodass wir ins Zelt fliehen mussten und unser Essen im Schneesturm kochen mussten. Es wurde eine sehr kalte Nacht, die sicher unter Null ging, was aber normal ist in dieser Höhe. Wir waren zum Glück gut ausgerüstet und hatten nicht kalt. Umso unangenehmer war es dafür, am nächsten Morgen bei dieser Kälte aus dem Zelt zu kriechen und das Zelt bei Schneefall (!) auseinander zu nehmen. Denn wir mussten leider schon wieder gehen. Gegen Mittag waren wir zurück im Tal und nach 6h Autofahrt inkl. Stau kamen wir am Freitag Abend wohlbehalten wieder an. Und am Samstag? Richtig, da war schon die Fischerbörse! Ein knapper Zeitplan, aber wir haben es trotzdem genossen.

 

Alles in Allem war es einfach wieder ein wunderbarer Ausflug, den wir uns auch nicht durch das Wetter und zickige Fische vermiesen liessen.

 

Liebe Grüsse und ein digges Petri!

Nicola

 

PS: Im Folgenden ist noch ein Fotoalbum mit mehr Bildern für diejenigen, die sich nicht satt sehen können :-)

Abschliessende Fotosammlung