Juli-August 2016, Grönland

5 Wochen abseits der Zivilisation

Ein wunderschöner arktischer Saibling
Ein wunderschöner arktischer Saibling

Endlich habe ich alle Bilder!
Letztes Jahr Mitte Juli machte ich (Ändu) mich auf zu einer 5-wöchigen Biologie-Forschungsexkursion nach Grönland. Ich freute mich sehr und war gespannt auf die Wildnis, die wir dort finden sollten. Das Ziel dieser Reise war nicht primär die Sportfischerei, sondern mehr die Erhebung allerlei Daten zur Untersuchung der Fischdiversität in Südgrönland, wo nur Saiblinge und Stichlinge vorkommen. Dazu später mehr. Wir waren als 5-köpfiges Team unterwegs. Gestartet haben wir unseren Trip in Narsarsuaq.

Später hatten wir nicht besonders viel Zeit zum fischen, doch gleich am Abend erkundeten wir die Umgebung und fingen einige schöne Saiblinge. Den grössten konnte ich in einem schmalen Wiesenbach fangen. Ich war wirklich erstaunt, dass dort solche Kaliber vorkommen. Der Fisch hatte ungefähr 50cm.

Am nächsten Tag gings weiter mit dem Boot. In den 5 Wochen reisten wir oft herum und schleppten dabei viele Sachen mit um die wissenschaftliche Arbeit erledigen zu können.

Auch im Feld musste natürlich alles mit und so waren wir meistens mit 80 oder 100 Liter Rucksäcken unterwegs um alles mittragen zu können. Grönland ist wirklich wunderschön zum wandern, aber mit so viel Gepäck wirds doch ziemlich anstrengend.

Das Campen in der Wildnis machte natürlich Spass. Wir hatten Glück mit dem Wetter und die Natur kompensierte für viele Strapazen. Was es leider auch viel hatte waren Mücken. Das Essen war gut und wir bekamen sogar etwas Abwechslung hin. Ab und zu gabs natürlich Fisch, häufig Pilze und einmal schlachteten wir einen Hasen.

Durch den Tag waren wir immer beschäftigt mit Netze und Reusen setzen und die gefangenen Fische zu vermessen und zu prozessieren. Jeder Fisch wurde 2 mal fotografiert, gemessen, gewogen und mit einer Nummer versehen. Weiter haben wir ein Flossenstück für genetische Analysen gesammelt, sowie ein Stück Muskelfleisch für chemische Analysen. Alle Fische wurden im Formalin konserviert. Diese Daten bilden im Übrigen die Grundlage für meine Masterarbeit.

Auf unserer Reise haben wir tausende Fische untersucht. Die Diversität der Grönländischen Saiblinge ist wirklich unglaublich. Weil andere Fische (ausser Stichlinge) fehlen haben sich die Saiblinge vermutlich in sehr unterschiedliche Arten aufgespaltet und damit unterschiedliche Nischen in der Nahrungskette aufgefüllt. Dazu hier eine kurze Zusammenstellung (Lest die Untertitel für mehr Infos) :

Die Natur in Grönland ist wirklich wunderschön. viele Steine und Gräser, wenige Büsche und gar keine Bäume. Zudem unzählige Fjorde, Flüsse und Seen die von mal mehr, mal weniger getrübtem Gletscherwasser durchströmt werden. Wir übernachtetet entweder im Zelt, in verlassenen Häusern oder bei einem der Schaffarmer. Oft hatten wir keine Elektrizität, Internet hatten wir in 5 Wochen nur 2 Mal und Handyempfang gibts nur im Zentrum von grösseren Dörfern (wo wir selten waren) und trotzdem haben wir überlebt; unglaublich oder nicht!? :D

Nur wenige Leute sprechen English, zum Glück hatten wir einen Dänen dabei. Das können immerhin schon etwa die Hälfte der Grönländer. Vielleicht auch ein Grund, das es kaum Tourismus hat in Grönland...

Die einzige wirkliche Stadt wo wir hin kamen, Qaqortoq, die inoffizielle Hauptstadt des Südens war sogar ziemlich schön. Sonst warens meistens kleine Dörfer mit wenigen Häusern. Herum kommt man in Grönland nur mit dem Flugzeug oder mit ebenfalls teuren Bootstransfers. 

Aber wir waren jeweils nur kurz zum Essen holen in den Dörfern, danach ging es wieder in die Wildnis.

Ab und zu hatten wir natürlich auch etwas Zeit um zu fischen. Dabei hatte ich nur 2 eher billige Ruten und eine Hand voll Köder,  das hat aber völlig ausgereicht. An einigen Orten waren die Fische kleiner, an anderen Orten waren sie grösser. Doch überall hat es Spass gemacht sie zu fangen. Besonders die Fliegenfischerei und die Spinnfischerei auf die grossen anadromen (meerwandernden Saiblinge) war spektakulär. Der grösste Fisch mass 66cm und bot einen abartigen Drill in der starken Flussströmung.

Duschen war leider nicht so einfach in Grönland :D Das Gletscherwasser ist auch nicht so warm..
Duschen war leider nicht so einfach in Grönland :D Das Gletscherwasser ist auch nicht so warm..

Gearbeitet haben wir 7 Tage die Woche, von morgens früh bis abends spät. Und es wird sehr spät dunkel in Grönland... Mit der Zeit wurde die ganze Feldarbeit doch sehr anstrengend, in 4 1/2 Wochen hatten wir bis dann nur 2 freie Tage. Die letzten paar konnten wir dann doch noch geniessen. Mal noch richtig legendär feiern, natürlich mit dem dazugehörigen Kater. XD Trotzdem gabs am nächsten Tag noch eine Wanderung.

Am zweitletzten Tag konnten wir zum Abschluss mit einem Boot auf den Fjord und auf die grossen Dorsche fischen. Das war wirklich eine Fischerei der Extraklasse, wohl besser als Norwegen. Wir fingen etliche Dorsche; der kleinste Dorsch hatte ungefähr 90 cm!!

Wir fischten nicht so tief, aber 150g Bleiköpfe halfen bei der Drift.
Wir fischten nicht so tief, aber 150g Bleiköpfe halfen bei der Drift.

Abschliessen kann ich sagen, dass ich die Reise nach Grönland trotz der vielen Arbeit in guter Erinnerung habe. Gerade dank der Arbeit sind wir an unglaubliche Plätze gekommen. Es war ein Abenteuer wie man es vielleicht nur einmal im Leben macht! Gerne würde ich mal nur zum Fischen zurückkehren, wer weiss...  Dream Big!

Für alle die noch nicht genug gekriegt haben gibts nun noch einige Bilder.

 

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Ändu