Freitag bis Samstag, 25.-26. Januar, Silsersee

Winterkaltes Abenteuer

Vor zwei Jahren war ich ja dabei, als auf dem Silsersee zum ersten Mal das Eisfischen frei gegeben wurde, mit dem Ziel, den Bestand an Gross-Namaycush zu senken. Damals habe ich ja einiges zu kritisieren gehabt, allem voran die Tatsache, dass man sich nur in einem sehr kleinen markierten Bereich aufhalten durfte. Mir war klar, dass ich bei gleichbleibenden Regelungen nicht nochmal gehen würde. Doch jetzt hat sich vieles zum besseren geändert, denn man darf nun jetzt die ganze Seefläche nutzen. Ich wollte es deshalb nochmal probieren, da ich für mich ja sowieso diese Saison das Ziel gesetzt habe, einen XXL Namay zu fangen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen auf Engstlensee bietet sich der Silsersee als willkommene Alternative.

 

Zusammen mit Kollege Talin nahmen wir also die lange Fahrt ins Engadin auf uns. Wir reisten bereits am Donnerstag Abend an und um Kosten zu sparen, übernachteten wir draussen im Dachzelt. Als wir gegen Mitternacht ankamen und ins Zelt krochen, hatte die Luft bitterkalte -20 Grad. Dank sehr guter Schlafsäcke war die Nacht jedoch erstaunlich angenehm und wir haben trotz der Eiseskälte sehr gut geschlafen.

Im dick isolierten Winterschlafsack ist das Gesicht das einzige, was noch herausschaut. Um die Backen und die Nase vor den extremen Minusgraden zu schützen, eignet sich eine Sturmhaube
Im dick isolierten Winterschlafsack ist das Gesicht das einzige, was noch herausschaut. Um die Backen und die Nase vor den extremen Minusgraden zu schützen, eignet sich eine Sturmhaube
Am nächsten Morgen konnten wir unsere Schlafplatz-Wahl erst richtig begutachten und waren sehr zufrieden, ein tolles Plätzchen!
Am nächsten Morgen konnten wir unsere Schlafplatz-Wahl erst richtig begutachten und waren sehr zufrieden, ein tolles Plätzchen!

So angenehm die Nacht auch war, das Aufstehen am nächsten Morgen war dafür wirklich grenzwertig. Wir wollten kaum mehr aus den Schlafsäcken heraus. Doch die Vorfreude aufs Fischen hat schliesslich gesiegt. Wir freuten uns auf ein kräftigendes Frühstück, doch wir mussten feststellen dass all unsere Essensvorräte im Auto durch gefroren waren. Das Frühstück konnten wir also erstmal vergessen.

Auf dem See angekommen, hatten wir zum Glück sonniges Wetter, dies machte die extremen Temperaturen zumindest etwas erträglicher. Denn es war immer noch gegen -20 Grad kalt und der Wind auf dem See liess es noch kälter wirken. Wir gaben nicht auf und konzentrierten uns so gut es ging aufs Fischen, aber die Kälte machte es zu einem schwierigen Unterfangen. Der Akku vom Echolot leerte sich viel zu schnell und die Löcher und die Rutenringe frierten nach wenigen Sekunden wieder zu.

Man kann die Kälte förmlich spüren, wenn man dieses Bild anschaut. Ich konnte das Echolot kaum einsetzen wegen der Kälte.
Man kann die Kälte förmlich spüren, wenn man dieses Bild anschaut. Ich konnte das Echolot kaum einsetzen wegen der Kälte.

Da von Fischen weit und breit keine Spur war, wurden wir kreativ was das gefrorene Frühstück anging. Wir begannen, vom Brot einzelne Scheiben abzusägen und in der Pfanne auf dem Gaskocher zu "toasten", um sie aufzutauen.

Not macht erfinderisch: So konnten wir unser Brot Scheibe für Scheibe auftauen...
Not macht erfinderisch: So konnten wir unser Brot Scheibe für Scheibe auftauen...

Nach dieser Stärkung waren wir wieder hoch motiviert und haben noch den ganzen Tag weiter nach grossen Namays gesucht. Unzählige Löcher gebohrt, Hotspots gewechselt und mit der Tiefe variiert. Wir fischten den ganzen Tag aktiv und während dem Mittagessen habe ich auch noch einen Köfi passiv präsentiert. Doch von den grossen Namays keine Spur und auch auf dem Echolot sahen wir immer nur Anzeichen für normale Fische. 

Während dem Mittagessen habe ich diesen grossen Köfi versenkt, doch auch diese passive Methode hat nichts gebracht. Das Blut stammt übrigens von meinem Daumen, ich habe bei der Kälte nicht gespürt, dass ich mich mit der Ködernadel aufspiesste ;-)
Während dem Mittagessen habe ich diesen grossen Köfi versenkt, doch auch diese passive Methode hat nichts gebracht. Das Blut stammt übrigens von meinem Daumen, ich habe bei der Kälte nicht gespürt, dass ich mich mit der Ködernadel aufspiesste ;-)

Schliesslich gaben wir auf und gingen als Schneider ins Restaurant, um uns bei einer warmen Schokolade aufzuwärmen. Immerhin bot uns der See am Abend beim Rückmarsch einen fantastischen Sonnenuntergang. Allgemein ist die Landschaft am Engadin einfach einmalig schön!

Alleine diese Landschaft war die Reise wert!
Alleine diese Landschaft war die Reise wert!

Zurück bei unserem Schlafplatz machten wir ein Feuer und machten selbst gemachte Bauernbratwürste vom Grill mit Rösti zum Abendessen. Wir mussten ordentlich Kalorien auftanken nach diesem eiskalten Tag. Danach freuten wir uns schon auf die warmen Schlafsäcke und darauf, was der nächste Tag noch bringen könnte.

Ein kleines Bisschen Luxus auf unserem Abenteuertrip.
Ein kleines Bisschen Luxus auf unserem Abenteuertrip.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, konnten wir es kaum glauben. Die Wetterlage musste total geändert haben, denn: Es war richtig warm! Wahrscheinlich nicht einmal unter Null. Ich kam richtig ins Schwitzen im dicken Winterschlafsack. Was für ein Unterschied zum vorherigen Morgen! So ging uns das Aufstehen gleich viel leichter und wir waren richtig motiviert für den zweiten Tag. Bei solch milden Temperaturen macht auch das Eisfischen viel mehr Spass und man ist konzentrierter bei der Sache.

Wir waren schon früh auf dem See und begannen wieder voll konzentriert zu Fischen. Der Traum vom Grossfisch blieb immer präsent.
Wir waren schon früh auf dem See und begannen wieder voll konzentriert zu Fischen. Der Traum vom Grossfisch blieb immer präsent.

Tatsächlich war der zweite Tag viel angenehmer, zwei Welten im Vergleich zum Vortag. Auch wenn es fischereilich gleich erfolglos weiterging, hatten wir zumindest unseren Spass und konnten den Tag geniessen. Wir haben auch am zweiten Tag bis zum Schluss nie etwas von den Anwesenheit von Grossfischen bemerkt. Aber immerhin blieben noch einige normalgrosse Fische hängen.

Wir fingen je zwei normalgrosse Fische, immerhin etwas!
Wir fingen je zwei normalgrosse Fische, immerhin etwas!

 

Schliesslich ging unser Winterabenteuer zu Ende und wir machten uns auf die lange Heimfahrt. Auch wenn der grosse Namaycush immer noch ein Traum bleibt, es war ein richtig tolles Wochenende und wir werden das wohl so schnell nicht mehr vergessen. Das ganze Abenteuer mit allem drumherum machte es zum einem Trip der besonderen Art.

 

Wir werden wohl im nächsten Jahr wieder kommen!

 

Lg und petri

Nicola


Dienstag, 22. Januar, Arnensee

Arnensee zum ersten

Bevor ich jeweils in einer neuen Wintersaison mit Guiding-Gästen zum Arnensee hoch gehe, möchte ich immer vorher schon einmal oben gewesen sein. Nicht nur um die Fische zu finden, sondern vor allem auch aus Sicherheitsgründen. Primär geht es um die Eisdicke, aber auch der Zustand des Weges und die Lawinenlage müssen abgeklärt sein. Ich hatte an diesem Dienstag frei und mein Kollege Elia hatte auch Zeit, also erkundeten wir zum ersten Mal in dieser Saison den Arnensee. Es setzte gerade die Morgendämmerung ein, als wir im Schein der Stirnlampen los marschierten.

Los geht's! Die ersten paar hundert Meter Weg sind jeweils noch gut präpariert dank alljährig bewohnten Hütten, doch schon bald kommt man ohne Schneeschuhe nicht mehr weit.
Los geht's! Die ersten paar hundert Meter Weg sind jeweils noch gut präpariert dank alljährig bewohnten Hütten, doch schon bald kommt man ohne Schneeschuhe nicht mehr weit.

Dank angenehm hartem, altem Schnee war der Aufstieg nicht sehr anstrengend und in sportlichen 2h waren wir schon beim See angekommen. Wenn's doch immer so einfach wäre :)

Die letzten Schritte zum gefrorenen Arnensee waren atemberaubend, die Nebelschwaden über dem nahezu unberührten See richtiggehend mystisch.
Die letzten Schritte zum gefrorenen Arnensee waren atemberaubend, die Nebelschwaden über dem nahezu unberührten See richtiggehend mystisch.

Bald war auch klar: Der See war dick genug gefroren und problemlos betretbar. Der Rest ist schnell erzählt: Wir erlebten einen ganz tollen Tag bei traumhaftem, sonnig-warmem Wetter. Schon bald reichte ein Pullover aus dank der Power der Sonne. Die Fische bissen zudem wie blöd! 

Wir brauchten die Passiv-Rute zum Hegenen-Fischen gar nicht erst auszupacken. Schon mit aktiv geführten Kunstködern ging nonstop die Post ab. Dropshot Montagen oder Zikaden wie auf dem Bild zu sehen sorgten für Action.
Wir brauchten die Passiv-Rute zum Hegenen-Fischen gar nicht erst auszupacken. Schon mit aktiv geführten Kunstködern ging nonstop die Post ab. Dropshot Montagen oder Zikaden wie auf dem Bild zu sehen sorgten für Action.

Nebst den üblichen Verdächtigen, sprich Namaycush und Saiblingen, gelangen mir auch noch seltene Zufallsfänge. Zuerst knallten 2 Bachforellen hinter einander aufs Dropshot und danach fiel auch noch ein halbstarkes Egli drauf rein. Die Bachforellen haben noch Schonzeit und wurden selbstverständlich frei gelassen.

Eine der Bachforellen am Dropshot.
Eine der Bachforellen am Dropshot.
Obwohl es im Arnensee sehr viele Egli hat, fängt man sie kaum je beim Eisfischen. Es sind immer nur so einzelne Zufälle. Wäre echt cool, wenn ich mal herausfinden würde, wo die im Winter alle hocken.
Obwohl es im Arnensee sehr viele Egli hat, fängt man sie kaum je beim Eisfischen. Es sind immer nur so einzelne Zufälle. Wäre echt cool, wenn ich mal herausfinden würde, wo die im Winter alle hocken.
Traumwetter!
Traumwetter!

Da wir ziemlich schnell unsere erlaubte Anzahl Fische beisammen hatten, genossen wir noch ein wenig die Sonne und machten uns dann zeitig wieder auf den Rückmarsch.

 

Toller Tag, das macht Laune!

 

Gruss und petri

Nicola


Samstag, 19. Januar, Eisfischen Guiding Engstlensee

Eine junge Truppe

Das erste Guiding der neuen Saison stand wegen der unklaren Lawinensituation und der Wetterlage lange auf der Kippe, ob es statt finden konnte oder verschoben wird. Schliesslich aber haben sich die Vorhersagen verbessert und ich entschied, das ausgebuchte Guiding planmässig durchzuführen. Mit Chrigel, Mättel, Andreas und Pascal hatte ich die jüngste Truppe, die ich je bei einem Guiding führen durfte. Es war mal was anderes, nur mit Teilnehmern unterwegs zu sein, die alle ähnlich alt sind wie ich.

 

Das Guiding verlief sehr erfolgreich, alle Teilnehmer fingen Fisch um Fisch. Gegen Mittag gabs dann wie immer das obligate Fondue und der Weisswein durfte natürlich auch nicht fehlen.

Das Dropshot hat sich längst als eine meiner Lieblings-Methoden beim Eisfischen etabliert. Nebst Creature-Baits wie auf dem Bild sind auch Pintail-Gummifische sehr fängig, generell rate ich dabei zu auffälligen Farben.
Das Dropshot hat sich längst als eine meiner Lieblings-Methoden beim Eisfischen etabliert. Nebst Creature-Baits wie auf dem Bild sind auch Pintail-Gummifische sehr fängig, generell rate ich dabei zu auffälligen Farben.
Wie immer bei meinen Eisangel Guidings gibt's ein Fondue auf dem See
Wie immer bei meinen Eisangel Guidings gibt's ein Fondue auf dem See

Auch wenn das Wetter wunderschön war, hat es die Sonne leider nie ganz über den Berg geschafft, sodass es den ganzen Tag ziemlich kalt war. Aber die Fische bissen so gut, dass die Stimmung immer super war.

 

Ich probierte indes wieder mein Glück auf Gross-Namays. Während des ganzen Tages hatte ich diesen über 20cm grossen Köfi auf Grund versenkt, leider passierte gar nichts.

Das Ziel Big Namaycush bleibt weiterhin bestehen. Nie aufgeben!
Das Ziel Big Namaycush bleibt weiterhin bestehen. Nie aufgeben!

 

So ging ein weiterer erfolgreicher Tag zu Ende, wieder mal durfte ich einer tollen Truppe mit sehr sympathischen Teilnehmern das Eisfischen näher bringen und jeder konnte ordentlich Fisch mit nach Hause bringen :)

 

Gruss und petri

Nicola


Mittwoch, 2. Januar, Engstlensee

Eisfischen Saisonstart

Mit meinem Fischer-Kollege Talin ging ich einen Tag nach Neujahr zum ersten mal im 2019 aufs Eis, genauer auf den Engstlensee. Ich freute mich sehr darauf, auch wenn das Wetter gar nicht toll war. Es war sehr kalt und schneite pausenlos durch.

 

Ziel war es einerseits, für die baldigen Guiding Touren gut vorbereitet zu sein, sprich zu wissen wo die Fische dieses Jahr zu finden sind, etc. Zum Anderen habe ich für mich persönlich das ganz grosse Ziel gesetzt, endlich mal einen richtig grossen Namaycush fangen zu können. Insbesondere am Engstlensee glaube ich ganz fest daran, dass dieser Traum realistisch ist, auch wenn es sicher sehr viel Geduld braucht. Hierfür habe ich mich mit starker Ausrüstung ausgestattet, grosse Köder gekauft und auch ein mobiles Echolot System gebastelt. All das wollte ich auch einmal ausprobiert haben. Dieser erste Tag auf dem Engstlensee war also eine Art Probelauf für Allerlei.

 

Ersteres Ziel war schnell abgehakt. Schon beim ersten Loch fand ich die "normalen" Fische in der Kategorie, wie man sie meistens fängt beim Eisfischen. Und wir konnten auch noch einige weitere Hotspots ausmachen. Für die kommenden Guidings bin ich also schon mal sehr optimistisch. Innert kürzester Zeit konnte ich genug Fische überlisten und mich bald dem Projekt XXL-Namay zuwenden.

Ein Seesaibling hat sich den TragoVib geschnappt.
Ein Seesaibling hat sich den TragoVib geschnappt.
Der Kocher ist auch immer dabei! Toll um ein warmes Mittagessen zu zaubern, oder einfach nur einen Punsch oder einen Tee.
Der Kocher ist auch immer dabei! Toll um ein warmes Mittagessen zu zaubern, oder einfach nur einen Punsch oder einen Tee.

Für Talin, welcher noch fast nie Eisfischen war, waren es die ersten Erfolge auf dem Eis. Es machte richtig viel Spass, die kleineren Namaycush und Seesaiblinge bissen sehr gut und auch er hatte bald seine Fische gefangen, was mich auch sehr freute für ihn! 

Talin im Drill. So gut die Fische auch bissen; das Wetter war richtig schlecht!
Talin im Drill. So gut die Fische auch bissen; das Wetter war richtig schlecht!

 Ich widmete mich nun also dem Testlauf für die Big-Namaycush-Fischerei. Auch wenn ich den ganzen Rest des Tages vergeblich mit meinen grossen Ködern fischte, so funktionierte zumindest die Ausrüstung schon mal wunderbar. Auch mein gebasteltes Echolot-System mit Deeper Sonar und Styropor Kälte-Schutz fürs Handy bewährte sich trotz eisiger Kälte. Ich bin also sehr zuversichtlich für diese Saison, dass es mit meinem Ziel klappen könnte. Nun muss ich einfach Geduld beweisen... vielleicht werde ich irgendwann belohnt :-)

Trotz Temperaturen tief unter dem Gefrierpunkt (seht mal wie vereist die Angelschnur und der Deeper sind) funktionerte alles und die Akkus hielten bis zum Schluss. Fürs Handy baute ich einen Kälte- und Wetterschutz aus Styropor mit Plexi-Scheibe.
Trotz Temperaturen tief unter dem Gefrierpunkt (seht mal wie vereist die Angelschnur und der Deeper sind) funktionerte alles und die Akkus hielten bis zum Schluss. Fürs Handy baute ich einen Kälte- und Wetterschutz aus Styropor mit Plexi-Scheibe.

 

Zurück im Tal, waren wir recht müde und hungrig von der ständigen Kälte, weshalb wir uns noch eine leckere Pizza einverleibten, bevor wir die Heimfahrt angetreten sind.

Fazit: Ein erfolgreicher Start in die neue Saison und ein unterhaltsamer Tag, der trotz schlechtem Wetter und Kälte viel Spass gemacht hat. Danke Talin für die Begleitung!

 

Ich wünsche allen auch einen tollen Start in die Saison und allseits Petri Heil

Nicola