Sonntag, 30. September, Pachtgewässer

Das ultimative Fario-Finale

Am letzten Sonntag der Forellensaison 2018 traf ich mich mit meinem guten, alten Fischerkollegen Martin an einem Pacht-Bergbach im Berner Oberland, den wir beide befischen dürfen. Wir wollten den letzten Tag der Saison noch einmal in vollen Zügen geniessen!

 

Martin war bereits seit einigen Tagen dort und meinte, dass es momentan auf Fliege extrem zickig sei. Deshalb entschieden wir uns, mit Gummifisch anzugreifen.

 

Wir suchten uns eine sehr schwer zugängliche Schlucht aus, die landschaftlich nicht mehr schöner hätte sein können. Inmitten dieser umwerfenden Natur aus tiefblauen Pools, schroffen Felswänden und glattgeschliffenen Steinen, umgeben vom Wald, der langsam aber sicher vom Herbst gezeichnet ist, kletterten wir uns Stück für Stück voran. 

Und die Bachforellen? Die waren sehr interessiert and unseren mit präzisen Würfen präsentierten Gummifischchen! Es lief richtig gut und wir hatten regelmässig Fischkontakt! Darunter waren auch einige Forellen der ü30er Kategorie, die in diesem Bach geschützt sind als wertvolle Laichtiere. Da sieht man mal wieder, was solch eine nachhaltige Regelung bewirken kann: Top Fischbestand, eine actionreiche Fischerei und mehr als genug Laichtiere, die für viel Nachwuchs sorgen. Wenn sich unser Kanton doch bloss mal von solchen Beispielen inspirieren liesse, aber der muss ja unbedingt an seinen veralteten Regelungen festhalten. 

 

Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen...

Auch wenn der Schaufelschwanz schon weggeknabbert wurde; der Easy Shiner von Keitech fängt trotzdem noch. Forellen im Bergbach mögen auch Pintails sehr gerne.
Auch wenn der Schaufelschwanz schon weggeknabbert wurde; der Easy Shiner von Keitech fängt trotzdem noch. Forellen im Bergbach mögen auch Pintails sehr gerne.
Welch Schönheit! Diese moderne Fischereimethode ist schonend und nachhaltig, ähnlich wie das Fliegenfischen, da auch hier nur ein Haken im Spiel ist, der meist vorne hängt. So können Forellen wie diese releast werden, die sich im Schonfenster bewegen.
Welch Schönheit! Diese moderne Fischereimethode ist schonend und nachhaltig, ähnlich wie das Fliegenfischen, da auch hier nur ein Haken im Spiel ist, der meist vorne hängt. So können Forellen wie diese releast werden, die sich im Schonfenster bewegen.
Alleine dieser Pool bietet dutzende Möglichkeiten, wo sich Forellen verstecken könnten. Einer von vielen Traum-Spots!
Alleine dieser Pool bietet dutzende Möglichkeiten, wo sich Forellen verstecken könnten. Einer von vielen Traum-Spots!
Und noch eine ü30er, diese hier ist auffällig geprägt vom trockenen Sommer, schlank und mager. Die meisten Forellen waren aber sehr fit. Wäre interessant zu erfahren, woher diese Unterschiede kommen...
Und noch eine ü30er, diese hier ist auffällig geprägt vom trockenen Sommer, schlank und mager. Die meisten Forellen waren aber sehr fit. Wäre interessant zu erfahren, woher diese Unterschiede kommen...
Nicht nur klassisch geformte Gummifischchen fangen am Bach, auch Kreature Baits wie dieser Little Spider von Keitech. Er erinnert unter Wasser eher an ein grosses Insekt oder eine Spinne, fängt aber auch sehr gut.
Nicht nur klassisch geformte Gummifischchen fangen am Bach, auch Kreature Baits wie dieser Little Spider von Keitech. Er erinnert unter Wasser eher an ein grosses Insekt oder eine Spinne, fängt aber auch sehr gut.

Ich war schon mehr als überglücklich, wie der Tag bisher verlaufen ist. Eigentlich glaubte ich nicht daran, dass es noch besser werden könnte. Doch das wurde es! Plötzlich hatte ich eine Forelle im Drill, die von ganz anderem Kaliber war. Ich erkannte sofort, dass dies mit Abstand meine grösste Forelle in so einem Bergbach sein würde, wenn ich sie denn landen kann. Zum Glück war Martin zu Stelle und konnte das eindrückliche Tier sicher feumern. Schnell im Wasser gemessen und ein Foto gemacht, während sich die Forelle erholte, dann durfte dieses tolle und für die Naturverlaichung unglaublich wertvolle Tier wieder schwimmen. 

Und es sollte noch verrückter werden, nur wenige Meter später knallte mir schon wieder so ein Fisch drauf! Auch diesen Fisch konnte ich landen und problemlos schonend wieder frei lassen. Diese Forelle war sogar noch grösser als die erste, 43 und 45cm waren die beiden gross. In einem Mittelland-Gewässer nichts Besonderes, aber in einem so kalten, klaren und hochgelegenen Bergbach eine seltene Begegnung.

Und da soll noch einer behaupten, in Bergbächen wachsen Forellen nicht. Natürlich tun sie das, in den öffentlichen Berner Gewässern lässt man ihnen nur leider keine Chance dazu. Da sieht man schon wieder, was eine nachhaltige Regelung der Fischerei bewirken kann.

 

Da ich nach diesen beiden Fischen sowas von einem erfüllten Tag hatte und wir beide erschöpft waren von den ganzen Herumklettern, beendeten wir überglücklich die Forellensaison 2018 und machten uns auf den Heimweg. Ein absolut gelungener Abschluss.

 

Nun steht mir leider ein sehr strenger Herbst bevor, ihr werdet wohl bis zum Winter nicht mehr viel von mir hören. 

 

Liebe Grüsse und petri 

Nicola


Samstag, 15. September, Pachtgewässer & Thunersee

Saisonabschluss am Bach und mehr

Mitte September war ich mit Nicola auf dem Thunersee und an seinem Pachtbach unterwegs. Zum einen war dies unser gemeinsamer Bachforellenabschluss, zum Anderen ein spassiger Trip auf den See.

Am Morgen gings zuerst auf den See. Das Ziel waren eigentlich Hechte, doch es war ziemlich sonnig. Nicola konnte relativ schnell 2 kleine Exemplare auf Gummifisch überlisten, doch dann ging nicht mehr viel.

Anschliessend stellten wir spontan auf die leichte Spassfischerei auf Alet um da wir etliche Exemplare dem Cover entlang ziehen sahen. Kleine Creature Baits und Krebse am leichten Jigkopf dicht an den Unterständen präsentiert erregten die Aufmerksamkeit der Dickköpfe und mit etwas Glück konnte man einen zum Biss überreden. Das Ganze klappte super und einmal hatten wir sogar einen Doppeldrill!

Dabei verging die Zeit viel zu schnell und schon bald mussten wir ab dem See damit es auch noch reichte für an den Bach! Nach einem Spotwechsel schnell die Wathosen montiert und die Fliegenrute präpariert und schon konnte es weitergehen.

Wir fischten mit gut schwimmenden Trockenfliegen oder mit kleinen Goldkopfnymphen und konnten mit beidem Bisse verzeichnen, wichtig war vor allem eine genau Präsentation und bei dem klaren Wasser nicht zu nahe an die verdächtigen Stellen zu laufen. In regelmässigen Abständen konnten wir abwechslungsweise drillen und es machte super viel Spass! Deswegen hier im Folgenden noch ein paar gelungene Fangbilder...

 

Allen Forellenverrückten wünschen wir nun ein gutes Überstehen der Schonzeit! Mögen der Winter kurz und die Tacklekosten in der Nebenzeit überschaubar bleiben.

 

Petrigruss

Ändu und Nici

 


3. - 6. September, Graubünden

Grischa Bergsee-Wandertour

Seit meiner Rückkehr von der Grönland-Expedition hatte ich zugegebenermassen etwas Mühe, mich für die Fischerei in der Schweiz zu motivieren. Doch diese Phase war schnell verflogen und bald wusste ich auch wieder zu schätzen, was wir hier haben und freute mich auf eine tolle Zeit in den Bündner Bergen.

 

Denn ich hatte noch eine Woche Ferien und diese wollte ich in den Bergen verbringen. Mit Kollege Talin (vom Youtube-Channel "Finesse Fishing") fuhren wir ins Graubünden, wo wir von Bergsee zu Bergsee wanderten und im Zelt übernachteten.

 

Am ersten Bergsee angekommen, waren wir bereits überwältigt von der atemberaubenden Stimmung. Ich liebe es wenn es Herbst wird in den Bergen!

Zuerst wurde ein passender Zeltplatz gesucht, was in dem steilen Gelände gar nicht so einfach war. Schliesslich wurden wir fündig, der wohl einzig geeignete Platz weit und breit, dafür umso schöner. Was für ein wahnsinns Ausblick!

Uns blieben noch einige Stunden Zeit bis zum Eindunkeln, doch leider blieben uns erste Erfolge verwehrt. Trotz perfekten Bedingungen zeigten sich die Fische erstaunlich zickig und wenn wir Bisse hatten, dann höchstens Anstupser. Folglich gab es halt keinen Fisch zum Znacht, aber egal, wir hatten reichlich zu Essen. Es gab Ravioli vom Gaskocher und weil wir immer noch Hunger hatten, noch eine Rösti hinterher.


Wir haben gut und ruhig geschlafen, die Nacht war etwas windig, aber überraschend warm. Am Morgen war die Stimmung noch geiler als am Vorabend. Wir wollten es noch einmal versuchen und starteten den nächsten Angriff. Wieder flogen unsere Wobbler gegen den Horizont und wieder wurden sie nur angestupst, aber nicht gepackt. Die Fische waren da, aber richtig beissen wollten sie nicht. Nur eine einzige kleinere Forelle zeigte erbarmen mit uns. Diese ca. 30cm grosse, hübsche Forelle war schliesslich der einzige Lohn nach Stunden des Werfens gegen den kalten Herbstwind.

Höchste Zeit für einen Szenenwechsel. Wir packten unser Zelt und Sack und Pack zusammen und wanderten weiter zum nächsten Bergsee. Es war eine kurze, aber strenge Wanderung, viele Höhenmeter auf kurze Distanz. Als wir die letzte Kuppe überschritten und den See erblickten, jubelten wir vor Freude. Welch ein malerisch schöner Bergsee und schon von weitem konnten wir viel Aktivität an der Oberfläche fest stellen. 

Schnell war ein guter Zeltplatz gefunden, auf einer Halbinsel die in den See hinein ragte. Besser geht's nicht mehr, wie im Bilderbuch. Schnell war das Zelt aufgestellt, denn wir wussten genau, wenn wir mal am Fischen sind denken wir nicht mehr daran bis es dunkel ist, deshalb lieber gleich erledigen.

Weil die Forellen stiegen wie blöd, war natürlich die Fliegenrute meine erste Waffe der Wahl. Talin indess setzte auf Wobbler. Doch wonach stiegen sie? Ich konnte an der Oberfläche beim besten Willen keine Insekten erkennen, und doch waren die Fische permanent am Fressen. Müssen wohl ganz kleine Mücken sein. Entsprechend setzte ich zu Beginn auf eine kleine Fliege, doch wohin ich die Fliege auch ablegte, null Reaktion. Die Fische waren überraschend scheu und hatten sogar richtig Angst vor der Fliegenschnur! Wie kann das sein, in einem so abgelegenen Bergsee!? Da fischt doch kaum jemand, geschweige denn mit der Fliege. Ich konnte es mir nicht erklären. Aber egal was ich probierte, die Fische waren schlauer. Mein Vorfach wurde immer länger und immer dünner und ich testete mein halbes Fliegenarsenal durch, keine Chance. Diese Forellen schienen alles zu kennen. Bei Talin dasselbe, auch auf den Wobbler ging gar nichts. 

 

Ich wechselte schliesslich etwas frustriert auf die Spinnrute und montierte einen Gummifisch. Vielleicht beisst ja etwas in der Tiefe, ich dachte an Seesaiblinge oder Namaycush, die es vielleicht auch haben könnte. Schon beim ersten Wurf, kaum am Grund angekommen, Tock! Biss, Anhieb, Fisch hing! Doch was war das? Eine Bachforelle! Ich verstand die Welt nicht mehr... an der Oberfläche überall Bachforellen aktiv wie blöd, doch sie nehmen weder die Fliege noch Wobbler. Die Forellen am Grund jedoch, schienen gut zu beissen. Innert kürzester Zeit konnte ich einige hübsche Bachforellen in Grundnähe fangen, alle etwa 30cm gross, für einen so hoch gelegenen Bergsee schon ziemlich cool.

Es wurde dunkel und wir kümmerten uns ums Abendessen. Die Forellen wurden filetiert und frisch auf dem Gaskocher zubereitet. Ein echter Luxus, vor 30 Minuten noch im Wasser, dann bereits im Teller. Das gibt es nicht einmal im besten Gourmet-Tempel. Dazu machten wir einen ganzen Topf voll Hörnli mit Pesto, scheinbar verbrauchten wir Kohlenhydrate wie irre ;-)

Wir waren uns sicher, mit dem Gummifisch endlich das Geheimrezept für den mysteriösen See gefunden zu haben. Nach einer ruhigen Nacht gabs ein kräftigendes Frühstück und dann hatten wir auch schon wieder die Ruten in der Hand. Doch es war wie verhext. Was am Vorabend noch die Lösung zu sein schien, wurde jetzt auch nur noch mit der Schwanzflosse betrachtet. Wir umliefen den ganzen See, warfen alles ab und standen richtig dumm da. Am Morgen sprachen wir noch davon, dass wir noch eine zweite Nacht an dem See bleiben wollen. Doch diese Zuversicht sank und sank mit jeder Schneiderstunde tiefer. Bis am späteren Nachmittag konnten wir noch genau einen Fisch überlisten.

Diese Bachforelle zeigte Erbarmen und rettete unsere Ehre. Auch sie biss wieder auf den Gummifisch, hier ein Easy Shiner in 3''.
Diese Bachforelle zeigte Erbarmen und rettete unsere Ehre. Auch sie biss wieder auf den Gummifisch, hier ein Easy Shiner in 3''.

Spontan änderten wir unseren Plan und brachen die Übung ab. Noch würde es reichen, um rechtzeitig vor der Dunkelheit wieder herunter zu wandern. Im Eiltempo wurde Zelt und Ausrüstung klein gemacht und wir traten den Rücktritt an. Schliesslich erreichten wir wieder den See, an welchem wir unsere Tour angefangen haben.

Am nächsten Morgen und gleichzeitig dem letzten Tag unserer 4-Tägigen Tour versuchten wir es also noch einmal an dem See, an welchem wir schon die ersten beiden Tage ziemlich kläglich scheiterten. Wir kannten den See von früheren Ausflügen, wir wussten, was da eigentlich möglich wäre. Deshalb wollten wir es einfach nicht aufgeben.

 

Es begann wieder gleich: Nix, nada, niente. Bis ganz plötzlich Talin's Sternstunde einläutete. Innert 10 Minuten fing er gleich drei wunderschöne Bergseeforellen. Mehr oder weniger 3 Fische mit 3 Würfen. Ich verstand überhaupt nichts mehr. Denn danach war wieder Flaute. Und dabei blieb es auch. Vielleicht war das die ausgleichende Gerechtigkeit für die vielen Bachforellen, die ich an dem vorherigen Bergsee in kurzer Zeit auf Gummifisch fing. Keine Ahnung, jedenfalls freute ich mich sehr für ihn und mochte es ihm sehr gönnen. Nun hatten wenigstens beide ein Erfolgserlebnis, wenn auch jeweils nur kurz.

Ich werde diesen Wander-Fischer-Urlaub in spezieller Erinnerung behalten. Einerseits als sehr cooles Outdoor-Abenteuer, mit dem Zelt in dieser wunderschönen Natur mit fast schon zu schönen Stimmungen. Andererseits fischereilich als rätselhaft. Wieso waren die Forellen in diesem abgelegenen, hoch gelegenen Bergsee so extrem vorsichtig und schlau? Warum bissen sie ausgerechnet nur auf Gummfisch, aber auch das nur kurz? Warum hatten wir am grossen Bergsee tagelang nichts und dann plötzlich 3 Fische auf einmal?

 

Kurz: Es war speziell, aber ich habe die paar Tage in der Natur dennoch sehr genossen. Ich habe nun einen sehr strengen Herbst vor mir und werde kaum mehr zum Fischen kommen. Schön, konnte ich noch einmal so richtig raus!

 

Liebe Grüsse und petri

Nicola