Donnerstag, 10. August, ausserkantonales Gewässer

Sehr grosse Bachforellen

Am Donnerstag machte ich mit meinen Kollegen Elia und Räffu einen spontanen Ausflug an einen Fluss. Was wir dort erlebten, überstieg unsere kühnsten Erwartungen. Als wir im strömenden Regen am Wasser ankamen, war die Wasserfarbe absolut perfekt und ich sagte noch, heute könnte es krachen...

Elia hat sich durch das nasse, dichte Gestrüpp gekämpft und kann nun endlich einige vielversprechende Würfe machen. Wenn er jetzt schon ahnen würde, was bald beisst...
Elia hat sich durch das nasse, dichte Gestrüpp gekämpft und kann nun endlich einige vielversprechende Würfe machen. Wenn er jetzt schon ahnen würde, was bald beisst...

Nach kurzer Zeit verlor ich eine sehr grosse Forelle völlig unerwartet im Drill, nachdem ich schon sicher war, die krieg ich. Schade! Das wär sicher meine grösste Forelle aller Zeiten gewesen, je länger ich darüber nachdenke, desto überzeugter bin ich davon.

 

Kurz darauf begann Elia zu schreien! Er hatte auch eine Riesenforelle im Drill und ich spurtete los mit meinem Kescher. Das Adrenalin schoss uns allen durch die Adern, als der Ausnahmefisch im Kescher lag, wir konnten es kaum fassen! 62cm mass der Traumfisch von Elia, herzliche Gratulation!

Danach fingen wir noch die eine oder andere Durchschnittsforelle, doch dann war der Spuk plötzlich vorbei. Der Fluss begann schnell anzusteigen, der anhaltende Regen war wohl zu viel des Guten, Der Fluss war so braun geworden, dass wir stundenlang keinen Biss mehr hatten und ein vernünftiges Fischen kaum mehr möglich war. Erst ganz am Schluss, als wir schon aufgeben wollten, riss mich plötzlich ein unerwarteter, heftiger Biss aus meinen Träumen. Dieses mal war es Elia, der mir zur Hilfe eilen musste, und dieses mal verlor ich den Fisch nicht! Die traumhafte ca. 50er Forelle bescherte uns den absolut perfekten Abschluss eines unvergesslichen Tages!

 

Wir haben auch noch einen Film von diesem Tag geschnitten, da wir beide die Gopros auf die Brust geschnallt hatten und alles auf Video hatten!

 

Die beiden grössten Forellen dieses Ausflugs wurden übrigens ganz schonend wieder frei gelassen. Wir brachten es nicht übers Herz, solch prächtige und ökologisch wertvolle Tiere zu töten. Sie sind zu wichtig für die Natur als grosse Raubtiere, die den Bestand imGleichgewicht halten, und als wertvolle Laichtiere sowieso.

 

Danke Jungs für den legendären Tag!

 

Liebe Grüsse

Nicola


Sonntag, 6. August, Berner Oberland, privater Bergsee

Alpine Namaycush

Am Sonntag traf ich mich mit Silvio für ein Fliegenfischen Guiding. Er begann kürzlich mit dem Fliegenfischen und wollte ein besonderes Erlebnis in der Praxis. Nun ja, da gibt es tatsächlich etwas sehr Spezielles, was ich nur einmal im Jahr mache: Eine strenge Wanderung zu einem extrem abgelegenen Bergsee, der Namaycush (Kanadische Seeforellen) in tollen Grössen beherbergt. 

 

Der Plan war also da, der Termin auch. Nur blöd, dass an besagtem Tag das Wetter gar nicht gut auf uns zu sprechen war. Schon als wir aus unseren Autos ausstiegen und die Wanderschuhe sattelten, begann es zu regnen. Also von Anfang an die Regenkleidung darüber anziehen und los gehts! Davon liessen wir uns nicht aufhalten. Die Fische mussten verdient werden. Zuerst waren stolze 1000 Höhenmeter steil bergauf zu überwinden, und das bei Dauerregen. Das ist nicht ganz ohne, erst recht für ungeübte Wanderer...

Silvio beim Aufstieg, der einem alles abverlangt.
Silvio beim Aufstieg, der einem alles abverlangt.
Ich auf den letzten Metern vor dem ersehnten Ziel. Trotz Dauerregen und steilem Aufstieg ist die Laune noch bestens, und noch ist genug Kraft übrig zum Fischen ;)
Ich auf den letzten Metern vor dem ersehnten Ziel. Trotz Dauerregen und steilem Aufstieg ist die Laune noch bestens, und noch ist genug Kraft übrig zum Fischen ;)

Schliesslich erreichten wir erschöpft und erleichtert zugleich unser Ziel, den wunderschönen, kleinen Bergsee auf rund 2100m.ü.M. nach rund 2h 45min Aufstieg. Bravo, eine stolze Leistung! Leider war nicht viel vom See zu sehen im dichten Nebel, man sah nur wenige Meter weit. Ab und zu riss der Nebel kurz auf, sodass Silvio die Schönheit dieses wilden Bergsees wenigstens kurz erkennen konnte, bevor sich der Nebel jeweils gleich wieder schloss...

Einer der ganz seltenen lichten Momente, die oft nur wenige Sekunden anhielten, bevor der Nebel wieder alles verschleierte. Reicht gerade für ein Foto!
Einer der ganz seltenen lichten Momente, die oft nur wenige Sekunden anhielten, bevor der Nebel wieder alles verschleierte. Reicht gerade für ein Foto!
Meistens sah es so aus...
Meistens sah es so aus...

Eigentlich war es ja als Fliegenfischen Guiding gedacht. Doch das Fischen mit der Trockenfliege war bei diesen Bedingungen unmöglich. Keinerlei Aktivität an der Oberfläche, keine Insekten weit und breit und nur wenige Meter Sicht im Nebel. Ich wollte ihm jedoch unbedingt ein Erfolgserlebnis an der Fliegenrute bescheren, deshalb suchten wir mit Streamern und Nymphen in auffälligen Farben die tiefen Zonen des Bergsees ab. Lange sinken lassen und dann einzupfen aus der Tiefe war das Erfolgsrezept. Jeder Fliegenfischer-Kursleiter hätte die Augen verdreht, mit ästhetischem Fliegenfischen hatte das nichts mehr gemeinsam, aber auf diese Weise hatten wir Erfolg! Mehrere schöne Namaycush konnten so aus der Tiefe gelockt werden und es dauerte nicht lange bis Silvio seinen ersten Salmoniden mit der Fliege verzeichnen konnte. Yes! 

Schöne Fische, diese Namaycush!
Schöne Fische, diese Namaycush!
Silvio im Drill...
Silvio im Drill...

Doch das ganze war ziemlich erzwungen und mit der Spinnrute würden sich die tiefen Zonen viel einfacher und effizienter befischen lassen, daher wechselten wir nach einigen Erfolgserlebnissen auf Gummifische am Jigkopf. Auch diese Methode brachte wieder einige schöne Fische, geschätzt zwischen 35 und 45cm...

In einem so kleinen Bergsee ist jedes grössere Laichtier wertvoll, solche Exemplare wurden folglich wieder schonend frei gelassen.
In einem so kleinen Bergsee ist jedes grössere Laichtier wertvoll, solche Exemplare wurden folglich wieder schonend frei gelassen.
Aber es wurde auch Fisch entnommen und noch am selben Abend frisch zubereitet, einfach herrlich! Das ist selektives Fischen: Entnahmen ja, aber mit Mass und Vernunft, insbesondere in solch kleinen und empfindlichen Ökosystemen wie einem kleinen Bergsee.
Aber es wurde auch Fisch entnommen und noch am selben Abend frisch zubereitet, einfach herrlich! Das ist selektives Fischen: Entnahmen ja, aber mit Mass und Vernunft, insbesondere in solch kleinen und empfindlichen Ökosystemen wie einem kleinen Bergsee.

Am Nachmittag machten wir uns schliesslich wieder auf den Rückweg. Wir waren absolut zufrieden und haben eine tolle Fischerei erlebt, es gab keinen Grund, es noch länger heraus zu zögern. Lieber genug Zeit einrechnen für den nicht ungefährlichen Abstieg. Noch immer regnete es, und die Berge legten noch einen obendrauf. Mit voller Breitseite zeigten sie wieder mal, wie gnadenlos sie sein können, mit starken Seitenwinden, dichtestem Nebel und Kälte und das im August... Jeder Schritt bergab musste wohl überlegt sein, auf den rutschig nassen Steinen hätte ein Fehltritt unter Umständen unschöne Folgen haben können.

 

Schliesslich haben wir es zufrieden und mehr oder weniger erschöpft und durchnässt zurück ins Tal geschafft. Ironischerweise wechselte kurz vor Erreichen der Autos das Wetter und die Sonne empfing uns. Na wunderbar, schon fast eine kleine Frechheit! ;-)

 

Mir hat der anstrengende, aber schöne und spannende Tag sehr gut gefallen und ich denke, Silvio hatte auch viel Freude an diesem Ausflug. Der Muskelkater ist mittlerweile wieder verflogen, die Erinnerungen bleiben.

 

Liebe Grüsse und petri!

Nicola