Dienstag, 11. Oktober, Aare

Die Äschenzeit ist eröffnet!

Am Dienstag ging ich nach der Uni noch für einige Stunden ans Wasser. Mit dabei meine 5er Fliegenrute und einige Trockenfliegen.

 

Ich sah sofort, dass die Äschenzeit so richtig angefangen hat, sie stiegen überall fleissig nach Anflugnahrung. Sobald die richtige Fliege angeknüpft war, hatte ich Biss um Biss. Zuerst wollte es aber noch nicht so richtig klappen... wie man es kennt, die Äschen ticken eben ganz anders als die Forellen und die ersten Anhiebe gingen immer daneben. Doch nach einigen Fehlbissen hatte ich den Dreh wieder raus und die erste Äsche 2016 hing. Und es war gleich eine gute, eventuell hätte sie das Mass gehabt. Da Äschen aber die Strapazen des Messens nicht gut ertragen, liess ich sie wieder schwimmen. Für mich muss eine Äsche eindeutig gross genug sein, ohne dass ein Massband nötig ist... ;-)

wunderschöne Fische!
wunderschöne Fische!

Danach ging es Schlag auf Schlag, ich fing viele Äschen zwischen geschätzten 30-35cm... die sind zwar noch nicht gross genug, aber schon so gross dass sie ordentlich Dampf machen an der Fliegenrute und für eine Menge Action sorgen...


Gegen Abend kamen schliesslich doch noch zwei schöne 40er Äschen zusammen, die der Trockenfliege nicht widerstehen konnten. Am feinen Vorfach in der harten Strömung waren das zwei spannende Drills. Die beiden Thymianduftenden durften mich nach Hause begleiten und werden für ein wunderbares "Znacht" sorgen :)

 

Welch ein perfekter Einstieg in die Äschen-Trockenfliegen-Saison! Danke Petrus! ;)

 

Liebe Grüsse und petri, Nicola


Sonntag und Montag, 2. und 3. Oktober, Berner Oberland

Bergsee-Tour der Extreme

Ein Bündner und ein Berner zusammen in den Bergen: Ich traf mich mit dem Bündner Fischer-Blogger Dani von grischafario.ch für eine gemeinsame Tour mit dem Zelt an sehr hoch gelegene Bergseen. Wir waren uns bewusst, dass das Wetter kein Zuckerschlecken sein wird, aber wir ahnten noch nicht, WIE extrem es noch werden würde.

 

Frühmorgens am Sonntag ging es los und nach rund 1,5h Autofahrt waren endlich die Rucksäcke gesattelt, die Wanderschuhe geschnürt und wir freuten uns auf ein Abenteuer sondergleichen.

 

Schon der Aufstieg war spannend, im dichten Nebel sahen wir zum Teil kaum noch, wo wir eigentlich hin laufen. Hinzu kam, dass es immer wieder regnete.

Ein Pfad ins Ungewisse...
Ein Pfad ins Ungewisse...

Wir waren sehr schnell unterwegs und erreichten erstaunlich früh unser Ziel, einen hoch gelegenen Bergsee auf fast 2300 m.ü.M. Vom See sahen wir allerdings zu dem Zeitpunkt noch gar nichts, nur Nebel. Wir fanden zum Glück inmitten der rauhen, felsigen Landschaft einen kleinen Flecken Gras für das Zelt. Natürlich musste es aber genau in dem Moment, als wir das Zelt aufstellen wollten, so richtig los legen mit dem üblen Wetter. Hagel, Schnee, Regen... ein Gemisch aus allem zusammen peitschte uns ins Gesicht und wir mussten erst mal abwarten. Später hat es sich ganz kurz etwas beruhigt und wir nutzten die Gunst der Stunde. Gerade rechtzeitig, denn kaum war das Zelt aufgestellt, ging es auch schon wieder los. Wir flüchteten uns ins Zelt, ans Fischen war so vorerst nicht zu denken.

Hier sind wir gerade am Warten auf ein kurzes Zeitfenster, um das Zelt aufstellen zu können. Die Laune liessen wir uns vom Wetter nicht vermiesen!
Hier sind wir gerade am Warten auf ein kurzes Zeitfenster, um das Zelt aufstellen zu können. Die Laune liessen wir uns vom Wetter nicht vermiesen!
Als das Zelt endlich stand und wir erst einmal im Zelt waren, hatten wir keine Lust, es so schnell wieder zu verlassen... schon um die Mittagszeit sammelte sich der erste Schnee am Fusse des Zeltes.
Als das Zelt endlich stand und wir erst einmal im Zelt waren, hatten wir keine Lust, es so schnell wieder zu verlassen... schon um die Mittagszeit sammelte sich der erste Schnee am Fusse des Zeltes.

Nachdem wir seit einer Stunde tatenlos im Zelt warteten und ein kräftigendes Mittagessen intus hatten, war die Motivation wieder voll da. Wir wollten endlich fischen! Also raus aus der schützenden "Höhle" und ab ans Wasser, Wetter hin oder her.

 

Einige Stunden lang ging das auch richtig gut. Der Nebel war verschwunden und der See zeigte sich in seiner ganzen Pracht. Auch das Wetter spielte besser mit, es regnete nur noch vereinzelt. 

 

Die Fische im See (es waren fast nur Bachsaiblinge) waren äusserst beissfreudig und sorgten für viel Action. Insbesondere grundnah geführte Gummifische von 3'' bis 4'' an ca. 5g Jigheads sorgten für eine hohe Frequenz. Allerdings liess die Grösse sehr zu wünschen übrig, ein Fisch von 25cm war schon gross... sodass wir auch keine Fotos von Fischen haben, denn dafür waren sie einfach zu klein.

 

Endlich gelang es Dani doch noch, wenigstens einen etwas grösseren Saibling zu landen. Wir freuten uns schon auf ein warmes Abendessen: Frischer Fisch auf dem Gaskocher, mhmmmm...

 

Doch zum warmen Abendessen sollte es leider nicht mehr kommen... es war erst ca. 5 Uhr Nachmittags, als das Wetter wieder schlagartig kippte. Ein Schneesturm zog auf, es wurde bitterkalt, der Wind peitschte uns den Schnee ins Gesicht, nasskalt vermischt mit Regen. So schnell wie möglich flüchteten wir zurück ins Zelt, das wars endgültig mit Fischen für diesen Tag! :-(

Jetzt wurde es richtig übel :-(
Jetzt wurde es richtig übel :-(

Den Rest des Abends verbrachten wir damit, stundenlang im Zelt abzuwarten, ob sich das Wetter vielleicht nochmal kurz beruhigt, damit wir draussen unseren Fisch zum "Znacht" kochen könnten (im Zelt mit offener Flamme zu kochen, wäre lebensgefährlich wegen Brandgefahr). Doch das Glück war uns nicht hold, das Wetter draussen wurde immer schlimmer. Schon bald dringte kaum mehr Licht durch das von Schnee bedeckte Zelt.

 

Wir akzeptierten unser Schicksal und liessen den Fisch über Nacht draussen im Schnee liegen. Bei diesen Temperaturen bleibt er wenigstens frisch :-) Stattdessen gab es halt ein einfaches Abendessen aus Knäckebrot und Landjäger. Das Hochprozentige aus unseren Flachmännern half unserer guten Ausrüstung dabei, uns warm zu behalten und schliesslich schon sehr früh einzuschlafen. Etwas besseres hatten wir eh nicht zu tun.

 

Am nächsten Morgen wachten wir beide ausgeschlafen auf, wir hatten trotz eisiger Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt sehr gut und warm geschlafen. Hochwertiger Ausrüstung sei Dank! Erstmal die Eis-Schnee-Schicht von innen von der Zeltwand abschlagen, damit wir überhaupt einen Blick nach draussen werfen konnten. Als schliesslich der Reissverschluss aufging und wir den ersten Blick wagten, trauten wir unseren Augen kaum! Im Herbst eingeschlafen, im Winter erwacht. Alles weiss, überall Schnee. Und es war traumhaftes Wetter, blauer Himmel und kein Lüftchen. Auch die Sonne würde schon bald unseren Platz erreichen. Die Stimmung stieg sofort um 100% an, was für ein wunderbares Erwachen!

Erwachen im Winter! Zum Glück hielt das Zelt allem stand.
Erwachen im Winter! Zum Glück hielt das Zelt allem stand.
Welch ein Ausblick am Morgen, nach all den Strapazen vom Vortag!
Welch ein Ausblick am Morgen, nach all den Strapazen vom Vortag!

Die eisig-kalte Landschaft bot spektakuläre Bilder unserer über Nacht völlig vereisten Ausrüstung...


Schnell noch einen wärmenden Tee und zusammen mit der Sonne war alles wieder perfekt. Die Motivation war zurück gekehrt und wir konnten es kaum erwarten, endlich fischen zu gehen. Zuerst gab es aber ein leckeres Frühstück, zubereitet aus Müsli, Kondensmilch mit Bergwasser verdünnt und frischen Heidelbeeren, die überall unter der Schneedecke versteckt in Massen vorhanden waren. Herrlich!


 

Nun aber zurück zum wesentlichen, wir waren endlich wieder am Fischen. Es ging gleich weiter wie am Vortag, ein Fisch nach dem anderen, aber ständig nur kleinwüchsige Saiblinge. Dank dem schönen Wetter konnten wir nun auch mit der Trockenfliege fischen, was natürlich noch mehr Spass machte. Für Dani waren es sogar die ersten Erfolge überhaupt mit der Fliegenrute, ich glaube, da hat sich wieder jemand mit dem Virus angesteckt :-)

Dani hat es schon voll im Griff, die ersten Fänge mit der Trockenfliege liessen nicht lange auf sich warten...
Dani hat es schon voll im Griff, die ersten Fänge mit der Trockenfliege liessen nicht lange auf sich warten...
Ich beackere gerade mit dem Gummifisch die tieferen Zonen bei den steilen Felswänden... vielleicht hockt ja hier die kapitale Mutti?
Ich beackere gerade mit dem Gummifisch die tieferen Zonen bei den steilen Felswänden... vielleicht hockt ja hier die kapitale Mutti?

Naja, mit den kapitalen Muttis wollte es nicht klappen. Aber immerhin fingen wir noch einen zweiten Fisch in brauchbarer Grösse zum Essen, dieses mal war ich der Glückliche :-) Zusammen mit dem Fisch vom Vortag wird das ein herrliches Mittagessen geben!

Einfach tolle Fische, diese Bachsaiblinge!
Einfach tolle Fische, diese Bachsaiblinge!

Kurz nach diesem Fang begaben wir uns zurück zum Zelt, Schluss mit Fischen.

 

Im Teamwork wurde das Mittagessen hingezaubert, Fischfilets mit Reis und Zucchetti und das mitten in den Bergen, einfach geil!

Nach dem Essen galt es nur noch, alles wieder zusammen zu packen und dann war das Abenteuer leider auch schon fast wieder vorbei. Immerhin hatten wir aber noch einen traumhaft schönen Abstieg bei perfektem Wetter und herbstlichen Farben. Welch ein Kontrast zum Vortag bei Regen und Nebel!

 

Das war vielleicht mal ein Abenteuer! Vielen Dank an Dani für die Begleitung, es hat mich gefreut und der Ausflug hat riesig Spass gemacht. Gerne wieder!

 

Liebe Grüsse und Petri Heil im Herbst!

Nicola