Samstag, 8. August, Guiding (alpines Fliegenfischen)

Am Schluss hat's doch noch geklappt!

Bei herrlichem, fast schon zu heissem Wetter, hatte ich ein Guiding mit Gast Pädu. Ich wollte ihm das Fliegenfischen im Urbachtal zeigen. Dieses zeigte sich bei diesem Traumwetter natürlich von der schönsten Seite...

Das Urbachtal ist landschaftlich ein Traum!
Das Urbachtal ist landschaftlich ein Traum!

Leider aber stellte sich heraus, dass nur die Landschaft schön anzusehen war. Der Bach hingegen kam extrem Trüb, so dass ans Fischen nicht zu denken war. Mit etwas Schmelzwasser von den Gletschern habe ich bei den Temperaturen gerechnet, aber nicht mit so viel! Wir probierten es kurz mit hochsichtbaren Nymphen in Pink und Gelb, doch nichts zu machen bei den Bedingungen.

Bei solchen Wasserständen ist Fliegenfischen unmöglich. Umdenken war angesagt.
Bei solchen Wasserständen ist Fliegenfischen unmöglich. Umdenken war angesagt.

Nun war eine kurzfristige Umplanung angesagt. Das Guiding einfach nur fallen lassen, wollten wir nicht. Nach einer Erfrischung beim Restaurant Urweider in Innertkirchen, dessen Inhaber übrigens selbst Fliegenfischer ist, fassten wir einen neuen Plan und probierten einen anderen Bach aus....


Und wir hatten Glück, zumindest kurzfristig. Denn dieser Bach kam noch einigermassen klar daher. Zwar zu trüb für die Trockene, aber zumindest Nymphenfischen klappte gut und schon bald blieb bei Gast Pädu die erste kleinere Bachforelle von ca. 25cm hängen. 

Die Kleine wurde schonend vom Haken befreit und wieder releast.
Die Kleine wurde schonend vom Haken befreit und wieder releast.

So ging es zuerst weiter und wir wähnten uns schon im Glück, da wir ständig Fischkontakt hatten. Doch die Freude dauerte nur kurz, denn urplötzlich kam auch dieser Bach sehr trüb, binnen nur weniger Minuten!? Das kann doch nicht war sein?? Wie war sowas möglich bei diesem traumhaften Wetter?

Plötzlich kam auch dieser Bach trüb und ans Weiterfischen war nicht mehr zu denken :-( Das kann doch nicht wahr sein!
Plötzlich kam auch dieser Bach trüb und ans Weiterfischen war nicht mehr zu denken :-( Das kann doch nicht wahr sein!

Mir gingen langsam die Ideen aus! Schon wieder umplanen :-/

Wir fuhren noch zu einer dritten Variante, dieses Mal ein ganz kleiner Bergbach. Und endlich schienen wir Glück zu haben, der Bach plätscherte friedlich und glasklar über die Alpwiesen. Nun war extreme Vorsicht geboten bei diesem wenigen, klaren Wasser. Die Fische werden heikel sein, ich riet Pädu zu einem dünnen Vorfach und ruhigem Anschleichen an die Spots.

Und endlich hat es geklappt! Zwar wollten sich keine Bachforellen blicken lassen, aber wenigstens zeigten sich die farbenfrohen Bachsaiblinge interessiert an unseren Trockenfliegen. Exemplare bis zu 30cm konnten wir fangen und ich war froh, Pädu doch noch ein tolles Erlebnis zum alpinen Fliegenfischen bieten zu können!

Pädu im Drill. Die kampfstarken Saiblinge bogen seine selbstgemachte gespleisste Bambusrute jeweils voll durch!
Pädu im Drill. Die kampfstarken Saiblinge bogen seine selbstgemachte gespleisste Bambusrute jeweils voll durch!
Saibling nach dem Release
Saibling nach dem Release
Wunderschöne Fische!
Wunderschöne Fische!

So nahm das Guiding doch noch ein gutes Ende und ich freue mich schon auf den baldigen Teil zwei mit ihm, wo es dann an einen Bergsee gehen wird!


Liebe Grüsse und allen ein dickes Petri!

Nicola


Freitag, 14. August, Guiding (Spinnfischen im Bach)

Guiding mit Traumforellen

Früh morgens kam ich bereits mit meinem Guiding-Gast Alex am Wasser an. Er war ein Neuling im Spinnfischen und ich sollte ihm an seinem Hausgewässer das moderne Spinnfischen beibringen.

 

Kurz eine anfängliche Instruktion in die Technik und die richtige Montage, dann konnte es los gehen. Der Fluss hatte eine absolut perfekte, leicht angetrübte Wasser-Färbung, innerlich habe ich fast einen Freudenspung gemacht! So könnte es auch mit den grossen Forellen klappen!

Bei dieser Wasserfarbe trauen sich auch die Grossen aus ihren Verstecken heraus...
Bei dieser Wasserfarbe trauen sich auch die Grossen aus ihren Verstecken heraus...

In der Köderwahl entschied ich mich zu Beginn für den DUO Ryuki 6cm in natürlichen Dekors. Eine gute Wahl, denn schon bei meinen ersten Demo-Würfen zum zeigen wie es geht, blieb bereits eine erste schöne Bachforelle ü35 hängen, ein perfekter Start!

Mein Guiding-Gast Alex mühte sich leider zuerst noch mit der richtigen Wurftechnik ab, denn Präzision war das entscheidende Detail zwischen Erfolg und Misserfolg! Doch zum Glück wurden seine Würfe zusehends besser und präziser und er konnte auch bereits die ersten Bisse verzeichnen. Trotzdem war ich es, der den nächsten Biss verzeichnen konnte, und was für einen! Nach kurzem, heftigem Drill konnte ich diese traumhafte 47er Bachforelle landen:

47cm pures Birs-Gold, so durfte es weiter gehen!
47cm pures Birs-Gold, so durfte es weiter gehen!
Tackle: HR Evolution ML, Daiwa Luvias 2004, DUO Ryuki 6cm "natural yamame"
Tackle: HR Evolution ML, Daiwa Luvias 2004, DUO Ryuki 6cm "natural yamame"

Obwohl Alex alles richtig machte, wollte die nächste Forelle wieder bei mir beissen. Ich merkte sofort, dass auch diese wieder eine grosse war und nach dem Messen erwies sie sich als wunderschöne 45er. Unglaublich, was gerade abging!

Nach der 47er folgte diese 45er, der absolute Wahnsinn!
Nach der 47er folgte diese 45er, der absolute Wahnsinn!

Doch es sollte tatsächlich noch besser werden: Eigentlich wollte ich jetzt das Fischen völlig dem Alex überlassen, denn es war sein Guiding und er hätte es so verdient, seine erste Forelle zu fangen... schon mehrere sind ihm im Drill entwischt, obwohl er alles richtig gemacht hat. Während ich ihm zusah, wie er einen vielversprechenden Spot befischte, warf ich mehr oder weniger unbedacht und aus dem Handgelenk heraus an eine unspektakuläre Stelle mit sehr flachem Wasser. Doch dann konnte ich zusehen, wie ein riesiger dunkler Schatten aus dem Nichts auftauchte und sich langsam hinter meinen Ryuki stellte, der in der Strömung flatterte. Mein Herz blieb fast stehen, doch ich schaffte es ruhig zu bleiben und konnte zusehen, wie sie meinen Wobbler bis vor meine Füsse verfolgte, wo sie ihn schliesslich doch noch packte. Instinktiv schlug ich an, als der Ryuki in ihrem grossen Maul verschwand und dann ging die Post ab, sie zog sofort hinaus in die Strömung und ich rannte ihr hinterher durch den Fluss. Die Bremse meiner Luvias begann zu singen und schliesslich konnte ich die Traumforelle in letzter Sekunde feumern, gerade als mir der Wobbler schon entgegenkam mit aufgebogenen Haken! Das war knapp!

Sie mass satte 55cm und nach einem kurzen Fotoshooting liess ich dieses sehr wichtige Laichtier wieder schwimmen...

Der Wahnsinn, mein neuer PB im Bach!
Der Wahnsinn, mein neuer PB im Bach!
Die Grosse wird gerade releast... bei solch einem wichtigen Laichtier eine Ehrensache!
Die Grosse wird gerade releast... bei solch einem wichtigen Laichtier eine Ehrensache!

Nun konzentrierte ich mich wieder voll auf Alex, der kurz darauf endlich auch seinen ersten Erfolg verzeichnen konnte, nach einem perfekten Wurf unter ein Gebüsch schoss diese 35er hervor und machte ihn zu einem stolzen, erfolgreichen Spinnfischer!


Patschnass nach diesem regnerischen Tag haben wir das Guiding schliesslich sehr zufrieden beendet. Ich war überglücklich über den Verlauf des Tages, erstens wegen den tollen Forellen, die ich verhaften durfte, und zweitens weil der Alex an einem einzigen Tag bereits zu einem erfolgreichen Spinnfischer geworden ist.


Ich hoffe, dass ihm der Tag auch so gut gefallen hat wie mir und wünsche euch allen liebe Grüsse & Tight Lines!

Nicola 


Mittwoch bis Freitag, 26. bis 28. August, Graubünden

Alpin Tour extrem

Nach unserem erfolgreichen Bergsee-Trip im letzten Jahr, wollten ich und mein Onkel auch dieses Jahr wieder so eine Tour durchführen. Wir suchten uns einige sehr abgelegene Bergseen aus, dieses Mal im Süden Graubündens, und als sich eine gutes Wetterfenster auftat, gingen wir kurzentschlossen los.


Bepackt mit Alpinzelt, Gaskocher, Pfannen, Schlafsack, Mätteli, Proviant und Fischerzeug, war es ein sehr anstrengender Aufstieg, den wir am ersten Tag zurück legen mussten....

Schwer bepackt, war die Wanderung sehr anstrengend, aber der Weg durch den naturbelassenen, verwunschenen Wald war wunderschön.
Schwer bepackt, war die Wanderung sehr anstrengend, aber der Weg durch den naturbelassenen, verwunschenen Wald war wunderschön.

Satte 1000 Höhenmeter mussten wir zurücklegen und gerade zu Beginn ging es richtig steil bergauf. Nach ca. 3h erreichten wir unser erstes Zwischenziel, Bergsee Nummer eins. Wir waren patschnass und erschöpft und legten erst mal die Rucksäcke ab, um den wunderschönen Anblick zu geniessen...

Umwerfend schön
Umwerfend schön

Trotz der ermüdenden Wanderung juckte es mich schon in den Fingern zum Fischen. Doch zuerst galt es einen guten Platz für die Nacht zu finden. Zuhinterst am See wurden wir fündig, ein Bacheinlauf bot frisches, sauberes Wasser und eine schön gerade Wiese, ideal um das Zelt aufzustellen.

Als dieser Pflichtteil erledigt war, teilten sich unsere Interessen. Während ich meine Fischerausrüstung vorbereitete und es kaum mehr erwarten konnte, endlich zu Fischen, lag mein Onkel bereits im Gras und gönnte sich ein Erholungsschläfchen...

Gute Erholung!
Gute Erholung!

Für mich stellte der See unerwartet eine extreme Herausforderung dar. Trotz der Abgelegenheit schienen die Fische sehr intelligent zu sein und einfach alles zu kennen, obwohl man erwarten würde, dass ausgerechnet hier kaum jemand fischt. Ich habe alles probiert, mit Trockenfliege und Streamer, mit der Spinnrute mit diversen Wobblern, es nützte alles nichts! Obwohl die Fische (Bach- und Regenbogenforellen) offensichtlich da waren, denn man sah sie gut. Neuer Plan, ich versuchte die Fische zu überlisten, die in der Tiefe leben, nämlich die Seesaiblinge. Dieser Plan schien tatsächlich besser zu funktionieren, schon beim ersten Versuch hatte ich einen deutlichen Biss und konnte dieses kampfstarken ca. 40er Seesaibling landen. Ein wunderschöner Fisch und für uns das perfekte Abendessen!

Die Erfolgstechnik: Ein Keitech Easy Shiner Gummifisch, knapp über Boden gefischt an einem kurzen Vorfach hinter einem Locklöffel.
Die Erfolgstechnik: Ein Keitech Easy Shiner Gummifisch, knapp über Boden gefischt an einem kurzen Vorfach hinter einem Locklöffel.

Leider blieb dieser Saibling tatsächlich der letzte Fisch des Tages, nichtmal in der Tiefe wollten nach diesem Fang noch etwas gehen. Ich war heilfroh, dass ich es immerhin geschafft habe, einen Fisch fürs Abendessen zu fangen, sonst hätte es nur Dosenfutter und Trockenbrot gegeben :D


Irgendwann gab ich auf und genoss zurück beim Zelt die wunderschöne Abendstimmung mitten in der Natur.

wunderschöne Wildnis am Bergsee
wunderschöne Wildnis am Bergsee

Wir brieten den Fisch auf dem Feuer und dazu gab es Linsen aus der Dose. Eine Wohltat, dieses Abendessen, und der Saibling mit seinem tiefroten Fleisch war himmlisch gut.


Irgendjemand war sogar so nett, einen Grillrost dort hochgeschleppt zu haben. Vermutlich der Alphirte, denn aus dem Nichts tauchten plötzlich Kühe auf und zu irgendwem mussten die ja gehören. Wie auch immer, wir freuten uns über den Rost, dank dem wir den Fisch perfekt braten konnten. :-)

Die Linsen werden mit dem Gasbrenner erhitzt, der Fisch gart über dem Feuer...
Die Linsen werden mit dem Gasbrenner erhitzt, der Fisch gart über dem Feuer...
Plötzlich waren Kühe da, welche rund um unser Zelt herum standen und uns schon bald auf die Nerven gingen.
Plötzlich waren Kühe da, welche rund um unser Zelt herum standen und uns schon bald auf die Nerven gingen.

Diese Kühe wurden richtig nervig, vor allem als wir Nachts im Zelt lagen und gerne schlafen wollten, doch überall nur wenige Meter neben dem Zelt dauernd dieses unterträgliche Kuhglockengeläut. Durch den Tag fällt es gar nicht auf, aber in der Nacht, wenn man schlafen möchte, kommt es einem extrem laut vor.


Gerädert und übermüdet standen wir am nächsten Morgen auf, doch nach dem Frühstück waren die Lebensgeister wieder wach. Schliesslich musste das Programm weiter gehen...

Auf dem Programm stand ein weiterer Bergsee, noch viel abgelegener und weitere 800 Höhenmeter weiter oben.


Wir versteckten alles neben dem Zelt im Wald und liessen das Zelt stehen. Wir nahmen nur das nötigste mit: Wasser, Proviant und mein Fischerzeug. Dann ging es los, die nächste Etappe wurde in Angriff genommen. Dieses Mal aber zum Glück deutlich leichter bepackt.

Bald brachten wir die Waldgrenze hinter uns und hatten einen tollen Ausblick über das Tal. Von ganz da unten kamen wir her.
Bald brachten wir die Waldgrenze hinter uns und hatten einen tollen Ausblick über das Tal. Von ganz da unten kamen wir her.

Nach ca. 2-stündigem Aufstieg erreichten wir unser Ziel, einen wunderschönen, kleinen Bergsee auf über 2100 m.ü.M. Glasklar und Spiegelglatt lag er in einer Senke eingebettet zwischen Alpwiesen und Geröllhalden.

In dem See sollen Namaycush und Bachforellen leben. Schnell machte ich in dem schnapsklaren Wasser die ersten Fische aus, und das waren keine Kleinen! In dem See waren ein richtig guter Bestand, und die meisten schienen zwischen 30 und 50cm zu sein, unglaublich! Ich konnte es kaum erwarten, die ersten Würfe zu machen.


Doch dann die Enttäuschung: Der See war noch schwieriger und die Fische noch heikler und vorsichtiger als im vorherigen See. Sie inspizierten jeden Wobbler und Gummifisch ganz genau und drehten dann desinteressiert wieder ab. Und mit der Fliegenrute war es noch extremer, sie flohen schon, als nur die Fliegenschnur auf dem Wasser landete. Egal wie lang und dünn ich das Vorfach wählte, sie nahmen sofort Reissaus. Ich war fast am verzweifeln! Wie war das möglich??? Dieser Bergsee war satte 1800 Höhenmeter und fast 6h Wanderung von der nächsten Zivilisation entfernt, wie konnten diese Fische bloss so erfahren sein?? Da fischt doch kein Mensch!?


Nun ja, ich gab nicht auf und schaffte es schliesslich, wenigstens eine ü30er Bachforelle doch noch zu überlisten:

Der Duo Realis Rozante wurde diesem getupften Bock zum Verhängnis.
Der Duo Realis Rozante wurde diesem getupften Bock zum Verhängnis.

Danach mussten wir schon wieder den Rückweg antreten bevor es zu spät würde. Kurz vor dem Eindunkeln erreichten wir schliesslich wieder unseren Zeltplatz und kochten uns die Bachforelle zusammen mit Spaghetti.


Es folgte eine weitere Nacht im Zelt am unteren See. Dieses Mal aber zum Glück ohne Kuhglocken, sodass wir am Morgen herrlich ausgeschlafen waren. Die Stimmung war perfekt, wieder schönes Wetter, mittlerweile war schon der dritte und letzte Tag angebrochen...

Was für ein Traumplatz!
Was für ein Traumplatz!

Wir genossen noch den Rest des letzten Tages an diesem See und ich versuchte mich nochmals im Fischen. Doch wieder liessen mich alle Fische gnadenlos im Stich, ich fing den ganzen Tag gar nichts. Doch ich weiss ganz sicher, dass beide Seen das Potenzial gehabt hätten, vielleicht haben wir einfach gerade die falsche Zeit erwischt.


Am Nachmittag machten wir uns schliesslich wieder auf den Rückweg und mussten all die steilen Höhenmeter wieder abwärts machen, was ordentlich in die Knie ging. Erschöpft, aber glücklich und stolz auf unsere Leistung, nahmen wir die lange Heimfahrt in Angriff.


Auch wenn es fischereilich eine ziemliche Enttäuschung war, war der Ausflug trotzdem eine tolle Sache! Wir waren beide Stolz auf unsere körperliche Leistungen und das Naturerlebnis war einfach wunderschön. Es geht ja nicht immer nur ums Fischen ;-)


Liebe Grüsse und petri!

Nicola